Eine für alle – Sexismus bleibt Sexismus

Spiegel Online berichtete gestern über den Trubel um die neue ARD Serie “Eine für alle – Frauen können’s besser?” und bezieht sich darin (wenn auch nicht offensichtlich) auf die Diskussion im Internetforum zur Serie. In der Serie selbst geht es grob gesagt um eine Frau die von Beruf Schweißerin ist und Familie inklusive Kinder hat.

Neben empörten Männern (und Frauen) hat die Serie und die zugehörige Werbung mal wieder eine hitzige Diskussion darüber angelockt, wer denn nun eigentlich wo benachteiligt wird.

Alle Aufregung ist erst einmal durchaus nachzuvollziehen. So bezeichnet beispielweise die Radiowerbung Männer schon seit Wochen provokativ “als lebendes Verkehrshindernis, herumirrender Gockel oder Versager”. Wer nun glaubt, KritikerInnen mangelnden Humor unterstellen zu müssen, stelle sich die Werbung einmal in umgekehrter Fassung – Beleidigungen gegenüber Frauen – vor. Meiner Ansicht nach bleibt Sexismus immer Sexismus, egal welches Geschlecht diskriminiert wird. Ein humorvoller Umgang mit Klischees ist in Ordnung, Sexismus ist nicht in Ordnung! Es ist ebensowenig okay männerverachtende Werbung zu machen wie frauenverachtende und es ist noch dazu alles andere als zielführend, es auch noch als Feminismus zu bezeichnen, sich über Männer lustig zu machen. So wird aber leider in einem Forenbeitrag das Programm der Öffentlich-Rechtlichen als “Ideologie einer feministischen Meinungsclique” bezeichnet.

Würde es der Definition von Feminismus entsprechen, dass wir eine Mauer zwischen den Geschlechtern hochziehen, uns gegenseitig bekriegen und mit Hassparolen bespucken, müsste ich mich ganz klar von diesem Feminismus distanzieren. Leider entspricht genau dies dem Bild von Feminismus das die (ansonten zu recht) empörten Männer im Serienforum meinen zu kennen. Neben der Aufregung über Beleidigungen, wird nämlich mal wieder erwähnt, dass die “Gleichberechtigung dann ein wenig zu weit gegangen” sei und auf die Benachteiligung von Jungen in unserem Bildungssystem hingewiesen.

Gleichberechtigung kann nicht zu weit gehen, denn Gleichberechtigung ist wie der Name schon sagt GLEICHberechtigung und somit geschlechtsunabhängig. Es ist nicht im Sinne von Gleichberechtigung und auch nicht im Sinne von Feminismus Männer oder Jungen zu benachteiligen. Leider scheint dies für einige Menschen schwer zu begreifen zu sein. Sodass in deren Ansicht die Ünterstützung von Frauen immer automatisch eine Benachteiligung von Männern mit sich bringt. Nur dumm, dass überhaupt nicht danach geschaut wird an welchen Stellen und aus welchen Gründen Frauen überhaupt unterstützt werden und dass dies nicht ausschließt, dass an anderen Stellen Männer Unterstützung benötigen.

Deshalb zum Abschluss noch eines: Liebe ARD, Sexismus bleibt Sexismus und der hat in der Werbung und in Serien nichts zu suchen.

7 Responses to “Eine für alle – Sexismus bleibt Sexismus”

  1. Andreas sagt:

    Naja, es ist aber nun mal der etwas überholte Feminismus Schwarzerscher Prägung, der in Deutschland am lautesten brüllt. Von anderen Strömungen, die da ja tatsächlich wesentlich moderner sind, ist in der öffentlichen Diskussion bedauerlicherweise nicht viel zu hören.
    In der öffentlichen Meinung ist eben Gleichberechtigung nicht im wörtlichen Sinn zu verstehen, sondern wird als Frauenförderung empfunden – und die kann (nicht muss) tatsächlich zu weit gehen.

  2. side-glance sagt:

    Es stimmt, dass dieser Feminismus am lautesten brüllt. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass man mit provokativen Aussagen und Kampagnen (z.B. Pornografie ist Gewalt, Männer sind *wasauchimmer* ) viel leichter das Gehör einer breiten Masse erreicht. Man brüllt eine Forderung heraus und wenn nur ein Bruchteil davon Realität wird, ist das Ziel bereits erreicht. Wobei dieser Bruchteil dann ein positiver Beitrag zur Gleichberechtigung sein kann, während die ursprüngliche Forderung total überzogen und eventuell sogar Männerbenachteiligend war. Aber allein die Provokation bringt erst Diskussion und dann (positive) Veränderung.

    Ob Förderung zu weit geht, sollte man aber an jedem Projekt selbst gründlich abwägen und vorallem die tatsächlichen Ziele im Auge behalten. Ich sehe es zum Beispiel auch kritisch, dass unsere PolitikerInnen sehen, dass ein Fachkräftemangel herrscht und dann plötzlich nach Frauen schreit. Das hat mit der Motivation Frauen gleichzustellen erstmal recht wenig zu tun. Kann aber denjenigen Frauen zu Gute kommen, die sonst vielleicht nicht auf die Idee gekommen wären in bestimmte Branchen zu gehen. Gleichzeitig aber aufzuhören qualifizierten männlichen Nachwuchs anzuwerben und Jungen den Zugang zu Informationen zu verwähren, DAS wäre tatsächlich zu weit gegangen.

  3. Andreas sagt:

    Das Problem ist doch aber, dass das (unvermindert laute, wenn nicht lauter werdende) Brüllen zwar möglicherweise zu einigen Erfolgen führt, praktisch aber eine Front zwischen den Geschlechtern aufbaut, die vor allem in der jüngeren Generation nicht nötig wäre. Ob es das dann wert war?
    Wenn wir es jetzt schaffen, keine neuen Grabenkämpfe ausbrechen zu lassen, sondern uns zukünftig auf ein faires und gleichberechtigtes Miteinander zu verständigen, wird es in absehbarer Zeit vielleicht doch selbstverständlich sein, dass jeder einen Lebensweg einschlägt, den er oder sie für richtig hält, und dabei unabhängig vom Geschlecht unterstützt/gefördert/eingestellt/befördert usw. wird.

  4. side-glance sagt:

    An den Stellen an denen keine Ungerechtigkeit herrscht, habe zumindest ich nicht vor irgendwelche Grabenkämpfe anzuzetteln.

    Wenn ich aber sehe, dass ich (und andere) offensichtlich aufgrund meines Geschlechts diskriminiert oder in irgendweine Rolle gepresst werde, dann werde ich mich nicht damit zufrieden geben des lieben Friedens wegen die Klappe zu halten. Auch die jüngere Generation verhält sich nicht automatisch fair und gleichberechtigt.

  5. Andreas sagt:

    Solange du das Recht auch Männern zugestehst ;-) aber da habe ich hier keine Bedenken.

  6. frl.zucker sagt:

    hahaha, diese serie ist so doof dass sie wieder lustig ist.

    im gleichen stil “feministisch” ist auch das hier: http://www.youtube.com/watch?v=vNMXi36AGeQ

  7. side-glance sagt:

    Ich dachte grad “naja mit 14 hab ich so auch gedacht” und musste dann feststellen, dass die Damen doch ein bisschen älter sind als 14, ups :D

Leave a Reply