Monthly archives: Mai 2009

Let's talk about… Malware

Als WindowsnutzerIn ist die Benutzung eines Virenscanners ziemlich wichtig um das Überleben des Systems zu gewährleisten. Auch die Ichhabdochgarnichtsgemacht!!11-Menschen lassen sich spätestens nach dem ersten Totalausfall dank kompletter Verseuchung gerne von den Vorzügen solcher Software überzeugen und in Unternehmen gehört die Auswahl von Sicherheitssoftware oft zum Gesamtkonzept. Deshalb lässt sich eigentlich kein durchschnittliches Bild einer Person erzeugen, welche solche Produkte einsetzt. Der Hersteller Avira zeigt uns solche Personen deshalb in seinen Werbepopups, welche nach dem Update der kostenlosen Version seines Virenscanners erscheinen.

AntiVir Customer

Was soll dieses Bild vermitteln?
Es gibt mindestens drei überzeugte KundInnen die AntiVir Premium einsetzen, überzeug dich selbst vom besseren Schutz.

Was vermittelt dieses Bild tatsächlich?
Männer die Virenscanner einsetzen, sehen professionell-neutral aus, während Frau eher den Eindruck eines dümmlichen Cheerleader hinterlässt. Einer der Herren hat dabei sogar einen Jobtitel unter seinem Bildchen, was den Business-Eindruck natürlich noch verstärkt. Für mich ist das eine weitere Form der sexistischen Zielgruppendefinition. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das so gewollt ist, dennoch repräsentiert und verstärkt es unser Gesellschaftsbild vom technisch versierten, oder zumindest business-erfolgreichen männlichen Geschlecht und vom dümmlich-weiblichen Geschlecht als Nutzerin.

Persönliche Anmerkung: Am Produkt selbst gibt es übrigens absolut nichts auszusetzen und meiner Erfahrungen sind durchweg positiv. Schade, dass man dann anscheinend so dumme Werbung braucht.

Danke an Julia für den Screenshot und Kommentar.

Nintendo / C64 Handtasche

Passend zum letzten Blogpost, hier mal eine Technikspielerei für Frauen die mir statt Entsetzen ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat. Jeri Ellsworth ist großartig!

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=DPlBeWy8Xwo&hl=de&fs=1]

Die Konsumentin. Rosa, Frauengadgets und so.

Da Computer, Handys und coole Elektronikgadgets mittlerweile in fast jedem Haushalt in irgendeiner Form vorhanden sind, wird es für die Hersteller und ihre Marketingmenschen immer schwerer das Bedürfnis nach etwas Neuem zu wecken. Seit einiger Zeit scheinen diese sich deshalb immer wieder auf eine bestimmte Zielgruppe zu konzentrieren: Frauen und Mädchen.

Dabei wird gänzlich missachtet, dass es sich bei einem solchen Gegenstand grundsätzlich um ein geschlechtsneutrales Objekt handelt. Mit der Betrachtung als Lifestyleprodukt scheint hingegen bei vielen der merkwürdige Gedanke ausgebrochen zu sein, dass ein Elektrogerät so lange männlich ist, bis es einen rosa Anstrich, Plüschüberzug oder Gold- und Brilliantenschmuck erhält.

Grundsätzlich gibt es nichts daran auszusetzen, dass man Produkte durch individuelles Design heraushebt, wenn allein durch den technischen Fortschritt und Unterschied nicht mehr KundInneninteresse zu holen ist. Apple hat bereits vor etwa zehn jahren diesen Trend gesetzt, als andere Computer und sämtliche Peripherie noch in eintönigem Graubeige erstahlten. Seither ist individuelles Design zu einem wichtigen Markenzeichen geworden, dem auch andere Hersteller (nachdem sie es teilweise verpennt haben) längst nacheifern. Seit ein paar Jahren beginnt man damit, sich nun also Gedanken zu machen wie man durch bestimmtes Design bestimmte Zielgruppen erreicht. Dabei hilft man sich, wie so oft in der Werbung, mit einfachen Klischees auf die Sprünge: Mädchen mögen rosa, Jungs mögen hellblau. Es scheint für jedes Kind das Erste zu sein, was es im Kindergarten lernt und damit das Leben nach Barbie für die Mädchen erträglicher wird, gibt es nun genau die richtigen Gadgets.

Nun, ich bin weiblich und ich mag rosa und pink. Also wo ist das Problem? Anscheinend entspreche ich doch genau der Zielgruppe. Nicht ganz, denn es gibt da ein paar Tatsachen, die dem knuffig-pinken Erscheinungsbild eine unheimliche Hässlichkeit mitgeben.

Gadgets bekommen Geschlechter

Nein, ich spreche hier nicht von den Kontakten der Steckverbinder. ;)
Es wird mit der Werbung und Produktbeschreibung nicht der Kundin oder dem Kunden selbst überlassen, welche Farbe er oder sie wählt. Mit der Farbe Pink kommt gleichzeitig die Botschaft, dass das Gerät ausschließlich für den weiblichen Gebrauch gemacht ist. Das beweisst zum Beispiel SanDisk mit dem UBS-Stick Cruzer Fleur:

wurden speziell für Frauen entwickelt

Das schlanke, feminine Design und der einziehbare USB-Anschluss (keine Kappe) machen es ideal für Frauen jeden Alters.

Wow, jetzt muss sogar mein USB-Stick schon so sein wie es die Gesellschaft von mir verlangt: schlank und feminin. Was es mit dem einziehbaren Anschluss auf sich hat, kann ich jedoch nicht so recht deuten.

Aber auch Garmin hat es sich 2007 nicht nehmen lassen ein Navigatonssystem speziell für Frauen zu präsentieren:

pink nüvi: Das neue Must-Have-Accessiore für Frauen

… pink glänzendes Navigationsgerät im handtaschenfreundlichen Design.

Kombination mit einem weiteren Klischee, tricky!

Pink aber nutzlos

Diese Werbebotschaften sollten keine Einzelfälle bleiben. Und auch andere Branchen begannen langsam sich einen neuen Trend einzubilden. So kann ich mich noch gut erinnern, dass Tchibo im letzten Jahr ein Werkzeugset im Sortiment hatte, welches durch sein rosa Blümchendesign hervorstach. Entgegen den anderen Artikeln (z.B. sowas), die eher “scherzhaft” auf dem Markt sind, war dieses Set eher ernst gemeint. Ganz klar ist für mich jedoch an was es diesen Rosa-Ungeheuern fehlt: Qualität. Es wird aus dem Gedanken heraus vermarktet, dass Frauen eh kein hochwertiges Werkzeug benötigen, hauptsache es ist pink und sieht nett aus.

Die eigentlichen Kundinnen fühlen sich verarscht

Einen weiteren Höhepunkt was geschlechtsspezifische Lifestylegadgets betrifft, bescherte Dell mit der Della Werbung. Mittlerweile wurden die sexistischsten Werbebotschaften durch Dell von der Website größtenteils entfernt bzw. “abgemildert”.
Die Mädchenmannschaft hat sie jedoch unter anderem noch entdeckt:

Mit Anregungen wie “Once you get beyond how cute they are, you’ll find that netbooks can do a lot more than check your email.”, wird erklärt, dass ein Notebook dabei helfen kann, “smarter” und “healthier” zu werden, dabei besser zu essen und gut organisiert zu sein.

Für Dell ging der Schuss eindeutig nach hinten los, denn zahlreiche Frauen die im Gegensatz zu Dell genau wissen, wofür sie ihr Notebook benötigen, haben ihrem Ärger in Blogs und Communities Luft gemacht (FAIL!). Dabei dürften auch einige sein, die bereits Kundinnen sind oder in Zukunft eher waren.

Pink ist super, rosa ist schick, her mit stylischen Gadgets. Aber liebe Hersteller, bitte verkneift euch eure altbackenen, engstirnigen und sexistischen Werbesprüche und lasst gefälligst Menschen selbst entscheiden, was sie mit den Produkten anstellen. Außerdem: letzte Schrott wird auch durch pinken Anstrich nicht besser und das merkt man früher oder später auch mit rosa Brille.

Das Ubuntu Women Projekt

Vom 27. April bis 1. Mai fand die UbuntuOpenWeek statt, welche Anwender rund um die Linuxdistribution informiert. Neben zahlreichen Online-Workshops wurde am 29. April Ubuntu Women durch Elizabeth Krumbach vorgestellt. Leider hat es mir die Zeit nicht erlaubt, an der OpenWeek teilzunehmen, deshalb habe ich mir im Anschluss die MeetingLogs angeschaut. Der Beitrag des Women Projektes ist sehr informativ und man bekommt eine gute Vorstellung davon, was Ubuntu Women eigentlich ist und warum das Projekt so wichtig ist. Deshalb folgt an dieser Stelle eine kleine deutsche Zusammenfassung von mir.

Was ist Ubuntu Women?

Ubuntu Women wurde 2005 im IRC und den Foren ins Leben gerufen. Im anschließenden Jahr folgten Mailingliste und Website, sodass dem offiziellen Team nichts mehr im Wege stand. Anfänglich hatte man dabei Debian Women zum Vorbild, doch man merkte sehr schnell, dass das Hauptziel weibliche Entwickler zu gewinnen, wie es Debian zum Ziel hat, nicht ausreicht. Stattdessen möchte Ubuntu Women Frauen ermutigen Teil jeder einzelnen Facette von Ubuntu zu werden.

Dürfen nur Frauen “mitspielen”?

Es gibt keine Anforderungen was das Geschlecht angeht. jede Person die daran interessiert ist, dass Frauen bei Ubuntu mit einbezogen werden ist willkommen. Deshalb findet man auf den Mailinglisten, im Chat und in den Foren sowohl Frauen als auch Männer. Ubuntu Women bietet eine Plattform zur Diskussion. Abgrenzung würde dem Ziel, die Beteiligung von Frauen an der gesamten Ubuntu Community zu erhöhen, entgegenwirken.

Worauf sich Ubuntu Women deshalb konzentriert

1. Unterstützung und Ermutigung

So sehr man sich auch wünschen mag es sei nicht der Fall, es gibt dennoch Sexismus innerhalb der Ubuntu Community. Dieser äußert sich teilweise unauffällig, zum Beispiel durch die Anrede einer Personengruppe als “gentlemen”, teilweise jedoch auch durch völlig offensichtlich sexistische an Frauen adressierte Witze die sowohl von Frauen als auch von Männern als beleidigend empfunden werden können. Aus diesem Grund ist es hilfreich eine Diskussionsplattform zu haben um sich mit anderen Menschen auszutauschen und Fragen zu stellen. Zum Beispiel um zu erfahren, was andere über bestimmte Aussagen/Situationen denken, die für einen selbst unangenehm sind. Aber auch um sich darüber auszutauschen, ob es sich lohnt solche Vorfälle zu melden. Dieser Erfahrungsaustausch trägt dazu bei, dass Menschen (Frauen) auch an Projekten beteiligt bleiben, wenn Probleme entstehen sollten. Außerdem dient die Ubuntu Women Community dem Austausch von aktuellen Ereignissen die Frauen in F/OSS im Allgemeinen betreffen, wie Erfolgsgeschichten aus anderen Projekten.

2. Mentoring und Führung

Da die Beteiligung von Frauen im F/OSS Bereich allgemein sehr niedrig ist, ist Ubuntu oftmals das erste Projekt mit dem Frauen in Berührung kommen. Die erste Frage lautet oft “Wie kann ich Ubuntu helfen?”. Ubuntu Women beantwortet diese Frage, indem dort versucht wird passende Projekte und Kontakte (manchmal MentorInnen) zu vermitteln. Dass es Männern beim Einstieg ähnlich geht, ist Ubuntu Women durchaus bewusst, der Schwerpunkt des Projektes ist jedoch die Erhöhung der weiblichen Beteiligung.

(Allgemeine) Links für den Einstieg:
http://www.ubuntu.com/community/participate
https://wiki.ubuntu.com/ContributeToUbuntu
http://ubuntu-women.org/getinv.html

3. Aktive Frauen innerhalb der Community hervorheben

Für viele Menschen ist es hilfreich, wenn sie innerhalb des F/OSS Bereiches Menschen haben, mit denen sie sich identifizieren können, vielleicht auch Menschen des eigenen Geschlechts. Um auf Frauen aufmerksam zu machen hat Ubuntu Women eine Interview-Serie gestartet, welche im Full Circle Magazine erscheint:

http://wiki.ubuntu-women.org/Interviews
http://fullcirclemagazine.org/

Außerdem gibt es eine Profilseite im Wiki wo man Informationen über andere an Projekten beteiligte Frauen findet:

http://wiki.ubuntu-women.org/Profiles

Zusätzlich werden interessante Neuigkeiten über Frauen in spannenden Projekten, sowie andere beeindruckende Geschichten auf der Mailingliste gepostet.

4. Aufklärung über Sexismus und Feminismus

Wenn vielleicht auch eher unbeabsichtigt, wurde Ubuntu Women zu einer beliebten Diskussionsplattform was Feminismus (Gleichberechtigung) und Sexismus im Allgemeinen betrifft. Daher gibt es zu diesem Thema eine Wikiseite mit Links:

http://wiki.ubuntu-women.org/ChallengingSexism

Wer nun mehr erfahren möchte, ist sicherlich herzlich willkommen beim Ubuntu Women Projekt. Den kompletten MeetingLog im Original gibt es hier.

Von der Schere im Kopf

Gerne hätte ich anonym gebloggt und es wäre mir auch sicherlich irgendwie gelungen, hätte ich mir genügend Mühe gegeben. Aber je mehr ich hier reinwachse, desto mehr wächst das Bedürfnis die Beiträge nicht irgendeinem Pseudonym zuzuschreiben. Was aber letztendlich die ach so gewünschte Anonymität vollends tötet, ist die Notwendigkeit eines Impressums in deutschen Blogs.

Ich muss zugeben, dieses Projekt konnte nur wachsen, weil ich mich sicher gefühlt habe. Die Sicherheit, dass erstmal, auf den ersten Blick eh niemand weiß “wer ich bin”, hat mich unheimlich angespornt. Bisher habe ich Blogs immer geschlossen, weil ich nach etwa einem Jahr merkte, wie wenig von mir in den alten Beiträgen noch drinsteckt. Ich lese sehr viel, ich erlebe Dinge und ich erweitere meinen Horizont ständig und “die dummen Ansichten von damals” werden mir manchmal schon nach kürzester Zeit peinlich. Das bedeutet nicht, dass ich meine Meinung komplett ändere, sondern lediglich, dass ich mich weiterentwickle. Manchmal sehe ich Beiträge auch wie Entwürfe von Gedanken, die niemals zuende gedacht wurden. Man macht eine Aussage und erst durch andere Einflüsse merkt man, an welchen Stellen man etwas vergessen oder nicht berücksichtigt hat, manchmal merkt man auch, dass man einfach falsch lag. Vielleicht ist das hier nun auch eine Chance mich dabei zu begleiten.

Viel schlimmer als das ist aber die Schere im Kopf. Wenn ich beispielsweise das Thema Kinderpornografie nehme und mich kritisch zu den Plänen von Ursula von der Leyen äußere, eine Petition mitzeichne und in den folgenden Tagen Aussagen von PolitikerInnen lese, die sich Menschen wie mir gegenüber beleidigend und respektlos äußern und die mich und viele andere in eine schmutzige Schublade stecken… Dann frage ich mich auch, was wohl passieren mag, wenn sich unsere Gesellschaft und unsere Gesetze verändern und die freie Meinungsäußerung mir gleichzeitig ganz heimlich einen Stempel aufgedrückt hat.

Auch ist es immer schwierig, wenn Menschen im Umfeld zuerst das Blog kennen, bevor sie einen Menschen kennen. Erst gestern habe ich in irgendeinem Artikel gelesen, wie toll es sei, über Twitter mit Menschen in Kontakt zu treten die man sonst nie kennengelernt hätte. Was ist aber, wenn der erste Twittereindruck so ungünstig ist, dass es die Person gleich vermeidet ein Kennenlernen im realen Leben zu verwirklichen? Oder was machen wir, wenn unser potenzieller Arbeitgeber unsere Interessen gar nicht so gut findet? Es geht ja nicht nur um die vielbesprochenen Saufbilder bei StudiVZ, es geht ja auch um Meinung, Ansichten und Ideen.

Diese und viele andere Faktoren hinderten mich immer wieder daran zu bloggen. Politisch zu bloggen, Meinung zu bloggen, feministisch zu bloggen. Was mich letztendlich aber daran hindert es zu lassen ist das Bedürfnis nach Freiheit, freier Meinungsäußerung, politischer Freiheit, freier Entscheidung. Darum wird das hier nie ein Blog über mein iPhone, meine Katzen und meinen Kleiderschrank.