Monthly archives: Juni 2009

Barrieren-Serie: Nr 2. Aussehen und Ansehen

In unserer Gesellschaft spielt das Aussehen (leider) eine nicht zu unterschätzende Rolle. Vorallem Frauen verbringen oft sehr viel Zeit damit das eigene Erscheinungsbild zu optimieren, verschönern und im extremsten Fall Schönheitsidealen so nah wie möglich zu kommen. Kein Mensch möchte gerne als hässlich bezeichnet werden, doch während meiner Erfahrung nach Männer eher über solche Kommentare hinwegsehen, werden diese von Frauen oft sehr zu Herzen genommen und können das Ego sehr belasten. Dieser “Schwachpunkt” wird daher oft bewusst und unbewusst genutzt um auszugrenzen, Leistungen schlechtzureden und Personen ganz allgemein in Frage zu stellen.

Sicherlich fragt sich manch eine/r nun, wovon ich überhaupt rede, denn schließlich geht es hier um Frauen in der IT oder Technik. Hierzu möchte ich daher gerne ein Zitat anbringen, welches ich im Laufe der Zeit mehrfach von verschiedenen Männern in Naturwissenschaften und Technik gehört habe:

Klar, in meiner Ausbildung/meinem Studium gab es schon auch Frauen, aber die sahen eben auch nicht so aus wie Frauen!

Darauf folgt meistens ein Lachen und zustimmendes Nicken bei den ZuhörerInnen und eine Übelkeit in der Magengegend bei mir. Die erste Frage die ich mir daraufhin stelle ist: Wie sieht überhaupt eine Frau aus? Doch leider denke ich nicht, dass sich die meisten meiner Mitmenschen sich diese Frage überhaupt je gestellt haben. Denn die Antworten liefern uns Schönheitsideale und Negativbeispiele in Form von Klischees. In diesem Fall ist es das alte Klischee vom “Mannsweib”.

Unabhängig vom eigenen Aussehen muss man sich als Frau diesem Klischee früher oder später in irgendeiner Form stellen, wenn man mit Themen, Beschäftigungen oder Interessen zu tun hat die von der Gesellschaft als “männlich” angesehen werden. Dies reicht von der scherzhaften Bemerkung bis zu übelstem Mobbing.

Wo ist aber die tatsächliche Barriere?
Meine Ansicht nach wird bei der Leistungsbewertung von Frauen viel zu oft und grundlos der Punkt “Aussehen” mit ins Spiel gebracht. Nehmen wir mal an eine Frau ist verantwortlich für eine wichtige Erfindung oder wissenschaftliche Erkenntnis und gerät dadurch in die Öffentlichkeit. Neben Anerkennung und Kritik sind Aussagen wie “naja, aber dafür sieht sie halt scheiße aus” vorprogrammiert, sofern die Person nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Hat mit der Leistung selbst nichts zu tun, dient aber immer wieder super dazu diese schlecht zu reden. Ein Kriterium welches hingegen bei der Beurteilung der Leistun von männlichen Personen absolut keine Rolle spielt.

Man könnte jetzt annehmen, dass solche Vorfälle im Internetbereich durch “Anonymität” einfacher zu handhaben sind. Dummerweise begegnen einem da aber ähnliche Merkwürdigkeiten. Gibt man sich ganz offensichtlich als Frau zu erkennen, wird beispielsweise mit dem Kommentar “this post is useless without pictures” klargemacht, dass man sich als Frau noch lange nicht Frau nennen darf. Außerdem sinkt durch die Scheinanonymität auch die Hemmschwelle und so kommt es auch sehr viel eher zu einem beleidigenden Kommentar zum Aussehen.

Solche Tatsachen halten meiner Meinung nach selbstkritische Frauen davon ab, sich mit gewissen Themengebieten zu beschäftigen und mit sich anderen Personen auszutauschen. Vielleicht hindert es manche auch daran, mit eigenen Ideen in die Öffentlichkeit zu treten.

Die Wahl des Studiengangs

Habe mich die letzte Zeit sehr zurückgehalten, da ich mich ganz meinen Abschlussprüfungen gewidmet habe. Da die schriftlichen Sachen nun alle (hoffentlich erfolgreich) erledigt sind, möchte ich auch meinem Blog wieder etwas Leben einhauchen. Passen zu meinem kommenden Lebensabschnitt, schreibe ich heute ein paar Zeilen zur Wahl der passenden Hochschule und zum passenden Studienfach.

Nachdem ich mich entschieden hatte ein Studium zu beginnen, machte ich mich schon langsam auf die Suche nach dem passenden Fach und der passenden Hochschule. Dass es Informatik werden sollte war mir dabei vollkommen klar, nur welche “Art” von Informatik stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Während ich mit ein paar Menschen sprach und auch ein paar Hochschulen zur Beratung besuchte, erlebte ich auch ein paar weniger angenehme Situationen. Ich möchte jedoch weder konkrete Städte noch Hochschulen beim Namen nennen bei meinem Erfahrungsbericht.

Hochschule 1: Beratung is nich

Als Erstes machte ich mich auf den Weg zwei Hochschulen weit weg von meiner Heimat zu besuchen. Da es offizielle Beratungstage gab, ging ich einfach zu den Besuchszeiten hin. Die erste Hochschule war dank Semesterferien wie ausgestorben und nur ein nervöser Typ der einen Masterstudiengang aussuchen wollte, war vor mir an der Reihe. Eine erhoffte Beratung blieb leider eher aus, denn der Berater konnte mir außer den Fakten auf dem Flyer nichts zu den Studiengängen selbst sagen. Er hielt meine Entscheidung für sehr gefestigt und schickte mich recht schnell wieder weg.

Hochschule 2: Thema Sexuelle Belästigung

Einige Tage später machte ich mich auf zur nächsten Hochschule wo zahlreiche Personen bereits vor den Sprechzimmern warteten. Ich zog eine Nummer und wartete stolze zweieinhalb Stunden. Der Berater drückte mir ebenfalls einige Flyer in die Hand und stellte zunächst die Frage: “Arbeiten sie gerne mit Männern zusammen?” welche ich mit “ich arbeite gerne mit Menschen zusammen” beantwortete. Er nickte und drückte mir einen Flyer zum Thema sexuelle Belästigung in die Hand mit den Worten “die meisten Personen mit denen sie zu tun haben werden sind männlich”. Nicht gerade ein super Eindruck, aber ich ließ mich nicht abschrecken.

Hochschule 3: Mit sexistischen Grüßen

Die nächste Hochschule die ich besuchte war eher bei mir in der Nähe und ich nutzte diesmal einen Infotag für SchülerInnen. Dort hatte ich zum ersten Mal das komische Gefühl, wohl die einzige Person zu sein, die tatsächlich ungefähr einen Plan hat, was für die Wahl der Veranstaltungen jedoch sehr nützlich war. Nachdem ich eine Probevorlesung besucht hatte, wo der Frauenanteil noch ganz ordentlich war, folgte eine Laborführung. Zu meinem Entsetzen haben sich bei diesem Teil der Veranstaltung alle weiblichen Teilnehmer verabschiedet und so blieb ich leider als Einzige übrig. Irgendwie erschreckend, dass sich schon bei einer unverbindlichen Veranstaltung so ein krasses Bild abzeichnet. Zumal die restlichen männlichen Schüler, wie schon erwähnt, keineswegs davon überzeugt waren, auch wirklich Informatik studieren zu wollen. Die Führung selbst war überaus interessant und festigte mich in meiner Entscheidung für die passende Richtung: Technische Informatik soll es werden. Im Anschluss wurden dann einzelne Personen befragt und während sich das meistens nach den Lieblingsfächern in der Schule richtete, hatte man sich für mich eine ganz besondere Anrede ausgedacht. Frech wurde ich dann gefragt: “Und Sie Fräulein, möchten Sie auch Ingenieur werden?”. Als ich, die komische Anrede ignorierend, bejahte, wurde dann halt ein bisschen über die niedrige Frauenquote erzählt. Auch das hat mich jetzt nicht irgendwie gestört, denn es war ja trotzdem nicht unfreundlich und auch sicher nicht unfreundlich gemeint. Als ich jedoch ein ander Mal die Ehre hatte unabhängig von einem Infotag mit einem Prof der selben Hochschule zu reden, kommentierte dieser meinen Studienwunsch mit einem trockenen aber überzeugten “Frauen können doch gar nicht programmieren”. So viel also erstmal dazu.

Hochschule 4: Neutral aber ohne bleibenden Eindruck

Die Entscheidung blieb dennoch und mit ihr die Qual der Wahl. Also besuchte ich eine Probevorlesung in Mathematik für Informatik und fand auch die sehr interessant. Auch wenn diese vierte von mir besuchte Hochschule mir vom Gesamtbild (im Vergleich) eher weniger gefiel. Dort war ich froh, über den Geschlechteraspekt nichts hören zu müssen und wollte von nun an, noch lieber als zuvor, als neutrale Person beraten werden.

Hochschule 5: Wir werden es erleben

Daher habe ich die fünfte potenzielle Hochschule, für die ich mich letztendlich entschieden habe, ganz allein angesehen, mir selbst Flyer und Informationen organisiert und anschließend mit einem Absolventen über Inhalte, Abläufe und alles was mich sonst so interessierte gesprochen, damit ich mir diese Gender-Sache gar nicht erst anhören musste.

Fazit:

Insgesamt muss ich für 2 von 5 Hochschulen was die Genderthematik der Informatik betrifft ein eindeutiges FAIL vergeben. Alle anderen waren so neutral wie ich es mir gewünscht habe und wenn ich an die ewigen Meckerer bezüglich Frauenförderung oder Bevorzugung bei der Studienwahl denke, dann kann ich aus dieser Erfahrung sagen, dass sich Aktionen dieser Art ausschließlich auf den Girlsday beschränken und weibliche Interessenten wenn überhaupt anders, dann leider eher sexistisch behandelt werden.