Die Wahl des Studiengangs
Habe mich die letzte Zeit sehr zurückgehalten, da ich mich ganz meinen Abschlussprüfungen gewidmet habe. Da die schriftlichen Sachen nun alle (hoffentlich erfolgreich) erledigt sind, möchte ich auch meinem Blog wieder etwas Leben einhauchen. Passen zu meinem kommenden Lebensabschnitt, schreibe ich heute ein paar Zeilen zur Wahl der passenden Hochschule und zum passenden Studienfach.
Nachdem ich mich entschieden hatte ein Studium zu beginnen, machte ich mich schon langsam auf die Suche nach dem passenden Fach und der passenden Hochschule. Dass es Informatik werden sollte war mir dabei vollkommen klar, nur welche “Art” von Informatik stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Während ich mit ein paar Menschen sprach und auch ein paar Hochschulen zur Beratung besuchte, erlebte ich auch ein paar weniger angenehme Situationen. Ich möchte jedoch weder konkrete Städte noch Hochschulen beim Namen nennen bei meinem Erfahrungsbericht.
Hochschule 1: Beratung is nich
Als Erstes machte ich mich auf den Weg zwei Hochschulen weit weg von meiner Heimat zu besuchen. Da es offizielle Beratungstage gab, ging ich einfach zu den Besuchszeiten hin. Die erste Hochschule war dank Semesterferien wie ausgestorben und nur ein nervöser Typ der einen Masterstudiengang aussuchen wollte, war vor mir an der Reihe. Eine erhoffte Beratung blieb leider eher aus, denn der Berater konnte mir außer den Fakten auf dem Flyer nichts zu den Studiengängen selbst sagen. Er hielt meine Entscheidung für sehr gefestigt und schickte mich recht schnell wieder weg.
Hochschule 2: Thema Sexuelle Belästigung
Einige Tage später machte ich mich auf zur nächsten Hochschule wo zahlreiche Personen bereits vor den Sprechzimmern warteten. Ich zog eine Nummer und wartete stolze zweieinhalb Stunden. Der Berater drückte mir ebenfalls einige Flyer in die Hand und stellte zunächst die Frage: “Arbeiten sie gerne mit Männern zusammen?” welche ich mit “ich arbeite gerne mit Menschen zusammen” beantwortete. Er nickte und drückte mir einen Flyer zum Thema sexuelle Belästigung in die Hand mit den Worten “die meisten Personen mit denen sie zu tun haben werden sind männlich”. Nicht gerade ein super Eindruck, aber ich ließ mich nicht abschrecken.
Hochschule 3: Mit sexistischen Grüßen
Die nächste Hochschule die ich besuchte war eher bei mir in der Nähe und ich nutzte diesmal einen Infotag für SchülerInnen. Dort hatte ich zum ersten Mal das komische Gefühl, wohl die einzige Person zu sein, die tatsächlich ungefähr einen Plan hat, was für die Wahl der Veranstaltungen jedoch sehr nützlich war. Nachdem ich eine Probevorlesung besucht hatte, wo der Frauenanteil noch ganz ordentlich war, folgte eine Laborführung. Zu meinem Entsetzen haben sich bei diesem Teil der Veranstaltung alle weiblichen Teilnehmer verabschiedet und so blieb ich leider als Einzige übrig. Irgendwie erschreckend, dass sich schon bei einer unverbindlichen Veranstaltung so ein krasses Bild abzeichnet. Zumal die restlichen männlichen Schüler, wie schon erwähnt, keineswegs davon überzeugt waren, auch wirklich Informatik studieren zu wollen. Die Führung selbst war überaus interessant und festigte mich in meiner Entscheidung für die passende Richtung: Technische Informatik soll es werden. Im Anschluss wurden dann einzelne Personen befragt und während sich das meistens nach den Lieblingsfächern in der Schule richtete, hatte man sich für mich eine ganz besondere Anrede ausgedacht. Frech wurde ich dann gefragt: “Und Sie Fräulein, möchten Sie auch Ingenieur werden?”. Als ich, die komische Anrede ignorierend, bejahte, wurde dann halt ein bisschen über die niedrige Frauenquote erzählt. Auch das hat mich jetzt nicht irgendwie gestört, denn es war ja trotzdem nicht unfreundlich und auch sicher nicht unfreundlich gemeint. Als ich jedoch ein ander Mal die Ehre hatte unabhängig von einem Infotag mit einem Prof der selben Hochschule zu reden, kommentierte dieser meinen Studienwunsch mit einem trockenen aber überzeugten “Frauen können doch gar nicht programmieren”. So viel also erstmal dazu.
Hochschule 4: Neutral aber ohne bleibenden Eindruck
Die Entscheidung blieb dennoch und mit ihr die Qual der Wahl. Also besuchte ich eine Probevorlesung in Mathematik für Informatik und fand auch die sehr interessant. Auch wenn diese vierte von mir besuchte Hochschule mir vom Gesamtbild (im Vergleich) eher weniger gefiel. Dort war ich froh, über den Geschlechteraspekt nichts hören zu müssen und wollte von nun an, noch lieber als zuvor, als neutrale Person beraten werden.
Hochschule 5: Wir werden es erleben
Daher habe ich die fünfte potenzielle Hochschule, für die ich mich letztendlich entschieden habe, ganz allein angesehen, mir selbst Flyer und Informationen organisiert und anschließend mit einem Absolventen über Inhalte, Abläufe und alles was mich sonst so interessierte gesprochen, damit ich mir diese Gender-Sache gar nicht erst anhören musste.
Fazit:
Insgesamt muss ich für 2 von 5 Hochschulen was die Genderthematik der Informatik betrifft ein eindeutiges FAIL vergeben. Alle anderen waren so neutral wie ich es mir gewünscht habe und wenn ich an die ewigen Meckerer bezüglich Frauenförderung oder Bevorzugung bei der Studienwahl denke, dann kann ich aus dieser Erfahrung sagen, dass sich Aktionen dieser Art ausschließlich auf den Girlsday beschränken und weibliche Interessenten wenn überhaupt anders, dann leider eher sexistisch behandelt werden.
2 Responses to Die Wahl des Studiengangs
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Das mit dem Flyer zur sexuellen Belästigung ist ja echt die Höhe. Als ob man als Frau mit sexueller Belästigung rechnen müsste, grrrrr.
Ärger dich nicht zu sehr. Ich habe selbst einen Studiengang besucht, wo wenig Frauen anwesend waren und es gabe sowohl mit den Professoren, als auch mit den Mitstudenten keine Probleme deswegen. (Mit Leuten außerhalb meines Studiengangs dann schon eher – da gibt es einige, die Frauen + Technik/Naturwissenschaften/Mathre für inkompatibel halten)
Girlsday halte ich, ehrlich gesagt, für eine Alibiveranstaltung frei nach dem MOtto: “Wieso, wir machen doch sooo viel zur Frauenförderung…”
Oje, die Hochschulwahl. Ja, daran kann ich mich auch noch erinnern.
Allerdings hatte ich weniger sexistische Erlebnisse, habe mir aber auch weniger Hochschulen angeschaut.
Uni 1: Erlebt durch Tag der Physik und Mädchentechnik-Tag. Den Tag der Physik fand ich klasse – die Labors hatten sich rausgeputzt und es gab einige spannende Vorlesungen, die man einfach so besuchen konnte, wenn man Lust hatte. Der Mädchentechniktag war um einiges lahmer. Zitat eines Mitarbeiters: “Also beim Tag der Physik haben wir dann auch noch hier die ganzen Glasfaserkabel im Labor, die leuchten dann. Müsst ihr halt mal dann vorbeikommen.” Zudem traf frau sich im Foyer und wurde dann brav zu den Labors bzw. Seminarräumen geführt (was mich an dem Tag tierisch gestört hat)
Uni 2: Der Tag der offenen Tür lief eigentlich ganz gut ab. Abgesehen von dem Grottenolm, der es ganz toll fand, dass ich als Frau doch eventuell sein Fach studieren würde.
Uni 3: Keine negativen Erfahrungen in der Vorbereitungszeit. Habe mich dann für diese Uni entschieden und musste feststellen, dass die “Wiwis” bei uns sexistischer sind als Maschbauer, E-Techniker und Informatiker zusammen – zumindest, was die Studenten angeht.
Allerdings steckt in einigen Professoren und Mitarbeitern, gerade älterer Jahrgänge, noch eine Menge an Vorurteilen. Zum Beispiel, dass alle Studentinnen gleich Extremfeministinnen sind.
Von Studenten höre ich ab und zu mal die Frage, wie mann es anstellen könnte, mehr Frauen für ihr Fach zu begeistern. Die Frage kann ich allerdings nicht beantworten, da ich begeistert bin ;-)
Für mein Studienfach habe ich mich nicht wegen der “tollen” “Frauen in die IT/Ing-Fächer”-Propaganda-Pamphlete entschieden sondern trotz ihnen. Die Dinger waren echt total abschreckend!