Heute, fast zwei Monate nachdem mein Informatikstudium so richtig begonnen hat, mag ich mal ein bisschen was darüber schreiben. Wie man an meinem Letzten Artikel schon sehen kann, bin ich sehr sehr vorsichtig geworden und es fällt mir noch schwer konkrete Situationen zu beschreiben.
Smalltalk – Wie man(n)’s besser nicht macht
Er kam also Anfang Oktober, der Moment auf den ich ewig hingearbeitet hatte: der Beginn meines Studiums. Viele neue Menschen sehen, sich vorsichtig beschnuppern, Inhalte erfahren, Organisatorisches, all sowas. Wenn man sich gerade das erste Mal sieht, fällt es oft schwer ein passendes Gesprächsthema zu finden und so kam es, dass jede einzelne Person mit der ich ins Gespräch kam die gleiche Idee hatte was ein scheinbar passendes Thema anging:
“So wenig Frauen hier”…. “Frauen und Informatik, schon komisch”…”Wow, als Frau, das ist aber ungewöhnlich”… blahblah blah blah blah.. und so verging der erste Tag und ich konnte es einfach nicht mehr hören. Ich konnte niemandem einen Vorwurf machen und trotzdem hat mich das so sauer und traurig gemacht, dass mir niemand etwas anderes zu sagen hatte. Irgendwie war das anstrengend, aber kein Grund sich entmutigen zu lassen.
Motivation – wie ma(n)n’s besser nicht macht
Nach dem allgemeinen Blahblah folgte die fachspezifische Einführung, bei der erstmals die Möglichkeit bestand mit Studierenden aus höheren Semestern zu sprechen. Ich hatte Hoffnung und wurde dann ganz schnell ganz enttäuscht. Vermutlich sollten die Vorträge motivieren, hatten aber eher Schwerpunkt darauf, wie schwer gewisse Fächer sein werden und wie viele Menschen so allgemein im Grundstudium scheitern. Als ich dann die Möglichkeit hatte mit einzelnen Personen höherer Semester zu sprechen kamen sehr schnell wieder Sätze wie “Oh, ihr habt ja auch Frauen, wir hatten keine/nur wenige…”. Von einem bekam ich zum Abschied dann noch den persönlichen Hinweis, dass es schon Frauen vor mir gab, die die Hochschule wechseln mussten. Auf die Gründe wollte er jedoch nicht eingehen und wünschte mir nur sowas wie viel Glück und ein dickes Fell. Aha.
So stürzte ich mich also hinein, in den neuen Alltag….




12 Responses to “Oh, ihr habt ja auch Frauen.”
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Juhu, side-glance ist “zurück”! :)
Ich wollte nur sagen: Lass dich bloß nicht entmutigen oder von irgendwas, das dir Spaß macht, abbringen durch blöde Kommentare! Ich verstehe gut, was du durchlebst.
Ich mach zwar technische Chemie, wo wir eigentlich ziemlich 50:50 sind (kommt auch auf’s Institut an), was aber auch nichts heißt. Wenn ich “Außenstehenden” erzähle, was ich mache, kommt zwar meist geschlechtsneutrale Verwunderung (bis hin zu Entsetzen), aber eher weil die meisten Menschen Chemie uninteressant/unattraktiv finden als aufgrund meines Geschlechts. Aber wenn einen die Leute einschätzen sollen, schaut’s anders aus. In meinem Seminar “Kompetenztraining für StudienassistentInnen” mussten wir uns alle gegenseitig schätzen am Anfang, wer was macht und so. Da hat man gleich gemerkt: Der erste Gedankengang der Leute ist “kleines unscheinbares Mädchen an der TU…. das kann doch nur Architektur sein!”…
Auf alle Fälle hoffe ich, wieder öfter von dir und deinen interessanten Gedankengängen und Erlebnissen lesen zu können, und dass du bald netten Anschluss in deinem Studium findest!
Drüber wegschauen und weitermachen! Irgendwann kriegst du dann zu hören, wie auflockernd es doch ist, eine Frau dabei zu haben. Und wenn dir der Studiengang liegt und du durchhältst und dabei bleibst, wird dir der Respekt entgegengebracht, den du dir mit deinem Wissen und Können verdient hast. Das ist zumindest meine Erfahrung.
[...] von side-glance hat gerade ihr Informatikstudium begonnen und erzählt, was man(n) so alles falsch machen kann, [...]
Ich schliesse mich meinen VorrednerInnen an: Lass Dich nicht entmutigen, das wird sich hoffentlich schnell legen (bitte berichten!;-) ). Ich, ebenfalls weiblich, studiere schon einige Semester Mathe mit Informatik Nebenfach und habe noch nie so einen Kommentar gehört, obwohl der Frauenanteil gerade in der Informatik nicht groß ist. Sind da wirklich so wenig Frauen bei Dir? (oder ist es eher das Klischee, dass Dir in den Gesprächen entgegenschlägt?)
Ich weiß, wie sehr das nerven kann, ich hatte/hab auch oft das Gefühl, dass ich mich als Frau viel mehr dafür rechtfertigen musste, dass ich Ingenieurin werde/bin. Aber wenn du das Studium wirklich machen willst, dann gibt es keinen Grund, und Chauvis sind erst recht kein Grund, der dich davon abhalten kann. Und ich glaube auch, dass es mit der Zeit weniger wird, diese Verwunderung über die Kommilitoninnen. Ist halt ein einfacher Einstieg in den Smalltalk.
@freiesRadikal: Ich antworte auf die Bemerkungen “Oh, Chemie, da war ich immer ganz schlecht…” immer situationsbezogen, je nachdem, was mein Gegenüber so macht, also z.B. “Also, unmotivierten Schülern Geschichte zu vermitteln stell ich mir auch nicht so richtig spannend vor…” oder “Anderer Leute Psychoprobleme zu lösen ist ja so gar nicht mein Ding…”. Meistens merken die GesprächspartnerInnen dann, dass sie da irgendwie was doofes gesagt haben
Wie wär’s mal mit der Entgegnung, du seist gar keine Frau?
Ich studier auch (wie Stephanie) Mathe mit Informatik und hab die Erfahrung gemacht, dass viele der wenigen Mädels viel Arbeit rein stecken und dann besser abschneiden als die meisten Jungs. Vielen der Anforderungen kann man durch Fleißarbeit nachkommen (ich hab erst während des Studiums programmieren gelernt) und man muss da nicht als fertiges Genie an die Uni kommen. Deshalb: Frage alle möglichen Fragen, die Du hast und dann viel Glück und Spaß mit Deinem Studium (auch ich bin gespannt, wie es weiter geht)!
Ich muss Terry recht geben!
Da ich ja nun schon einige Wochen mit side-glance studiere,
muss ich sagen, dass mir Frauen in der Informatik wesentlich lieber sind, als die zu einem großen Teil nerdig-komischen Männer…..
Außerdem wird ja gemunkelt, dass Frauen eh die besseren Informatiker sind ;-)
Hey! Ich hab zum ersten Mal in meinem Leben das Beduerfnis, einer Blogschreiberin zu antworten. Das gabs noch gar nie!
Was Du schreibst erinnert mich an meinen eigenen Studienanfang (studiere auch Informatik, jetzt gegen Ende) und auch spaetere Studienzeiten, leider.. mir gings immer so, dass ich mich komplett alleine gefuehlt habe mit diesen eigentlich so absurden Kommunikationserlebnissen – anfangs waren es nur Kommunikationserlebnisse, spaeter gabs dann auch mal sexuelle Belaestigung wie aus dem Bilderbuch. Ich kann also Terrys Erfahrung nicht bestaetigen, dass es mit der Zeit besser wird – meine Erfahrung ist eher, dass der Gegenwind staerker wird, sobald die Jungs einen anfangen wirklich ernst zu nehmen und dementsprechend auch als Konkurrenz anzusehen. Die Frage der Konkurrenz tritt natuerlich auch eher gegen Ende des Studiums auf, wenn es dann um Connections, Empfehlungen, konkrete Jobangebote geht. In dieser Konkurrenzsituation ist Sexismus dann ein prima Mechanismus um die Frau (die mann fachlich nicht schlagen kann) doch noch – seelisch – kleinzukriegen.
Also, ich glaub auch dass Du ein dickes Fell brauchen wirst – und nimm all sowas um Gottes Willen nicht persoenlich, es hat nichts mit Dir zu tun, es ist das System in dem wir leben!! Ich druecke Dir ganz arg die Daumen – lass Dich nicht unterkriegen!
Und Danke fuer den Blog! :-)
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