Nachdem ich nun einige Jahre das Geschehen ausschließlich über’s Internet verfolgt habe, war nach Weihnachten endlich der Zeitpunkt gekommen, an dem ich selbst zu ersten Mal am Congress teilgenommen habe. Vier Tage habe ich in Berlin verbracht und dabei viele Leute getroffen, Vorträge gesehen und Workshops besucht.

Nachdem ich vorab beim Ticketkauf kein Glück hatte, haben sich dann doch einige super liebe Menschen gefunden die bereit waren jeweils ein Ticket für mich und meine Begleitung abzugeben. Hat dann auch alles reibungslos geklappt und ich habe am Tag 1 das bcc voller Vorfreude betreten können. Der erste Tag begann damit, dass ich gleich den ersten Vortrag sehen wollte und deshalb auf dem Boden sitzen musste, da der Saal 1 bereits brechend voll war. Leider konnte ich mich, trotz des interessanten Themas (Lieferung von Überwachungssoftware von westlichen Unternehmen an autoritäre Regimes), kaum auf den Vortrag konzentrieren und gegen Ende war ich sogar sehr froh, als es vorbei war. Kurz vor dem zweiten Vortrag lernte ich unter anderem Helga von der Mädchenmannschaft und yetzt kennen. Dem Vortrag von Anne Roth, über die On- und Offline Überwachung in Sachsen im Zusammenhang mit Protesten gegen Nazis, konnte ich (dank Sitzplatz und Mate Cola) dann endlich besser folgen. Anschließend ging es an den ganzen Ständen vorbei zum Mittagessen mit Philip Steffan und ihdl. Nach einem Rundgang durch das bcc, ging es weiter mit dem großartigen Vortrag “Packets in Packets“, der mich als Netzwerk-Interessierte besonders begeisterte und wozu ich mir auf jeden Fall noch das ein oder andere anlesen werde. Am ersten Tag habe ich das bcc ziemlich früh verlassen, da ich vom frühen Flug noch total erschöpft war und fiel dann auch recht schnell in mein bequemes Hostel-Bett.

Am zweiten Tag hatte ich mich überhaupt nicht drauf vorbereitet, was ich eigentlich machen möchte und somit bin ich nach ewigem Rumeiern schließlich bei den Lightning Talks gelandet, wo jede_r über ein Thema einen Kurzvortrag halten kann. Besonders negativ fiel mir leider ein Vortrag von Paul Brodeur auf, der eigentlich recht nützliche Sicherheitsmaßnahmen für jede_n vorstellte und es zum Schluß für besonders witzig hielt “Don’t fuck Swedish women” (Bezug zu Julian Assange, der wegen sexueller Nötigung und sexueller Belästigung angeklagt ist) als Tipp rauszuhauen. Das Publikum lachte größtenteils und mir kam beinahe das Frühstück hoch. Der Speaker hat sich auf Twitter hinterher dafür entschuldigt und laut Aussage einzelner Personen gab es auch vom Moderator Nick Farr und anderen später an anderen Stellen Statements gegen Sexismus und Diskriminierung. Ich schaue mir sowieso noch einige Vorträge an und finde vielleicht die entsprechende Stelle. Anschließend habe ich einen meiner Lieblingsvorträge “The Science of Insecurity” beusucht, welcher sich teilweise auf Packets in Packets bezog und dank der großartigen Referentin Meredith L. Patterson und des spannenden Themas wirklich super war. Hat mich dazu angeregt, mir die threoretische Informatik und Sprachen noch mal näher anzuschauen. Gleich im Anschluss besuchte ich den nächsten super Vortrag von Helga Velroyen: “Bionic Ears” über den technischen Stand aktueller Hörgeräte. Die Vortragende hat sich aufgrund persönlicher Umstände auf die Suche nach allerlei Informationen gemacht, Hörgeräte getestet, sich weiter gebildet und ihre Ergebnisse und wünsche an die Hackercommunity vorgestellt. Am Abend besuchte ich noch den Hackerbrause-Workshop wo eine eigene Mate-Brause gebraut wurde und ich das Hackerbrause-Buch inklusive Autogrammen der Autor_innen erstand. Zum Abschluss des Tages gab’s noch “Apple vs. Google Client Platforms“, wo wir alle mit extra vielen Penis-Witzen und “you’re fucked” unsere Männlichkeit *hust* bewiesen haben. Inhaltlich war der Vortrag in Ordnung, stilistisch dadurch aber leider eher nervig.

Am dritten Tag musste ich bereits um 11 Uhr im bcc sein um das Haecksen-Frühstück nicht zu verpassen. Ein Come Together für die weiblichen Congressteilnehmerinnen. Nach Vorstellungsrunde habe ich einige interessante Unterhaltungen mit anderen Haecksen führen können und kteatime dort getroffen. Im Anschluss ging es bei den Haecksen weiter mit der Diskussion “The social implications of free and open-source software”, die für alle Geschlechter geöffnet wurde. Und danach mit “Erfahrungen in der IT-Industrie aus der weiblichen Perspektive”, wo eine Haeckse aus ihrem Arbeitsalltag in einem Großunternehmen erzählte. Leider hat es auf mich so gewirkt, als sei sie mit ihrem Job allgemein ein wenig unzufrieden und zur weiblichen Perspektive konnte sie eigentlich nichts Spezielles erzählen, weshalb ich den Workshop recht bald verlassen habe um zum Netfeminism-Workshop in den kleineren Raum zu gehen. Der Workshop wurde von Katrin und Lotte veranstaltet. Hier wurden verschiedene Themen besprochen und es wird demnächst auch eine Aufzeichnung davon geben. Auch dort habe ich wieder meine halbe Twitter-Timeline getroffen. Nach einer Mittagspause bin ich dann im Vortrag “Deceiving Authorship Detection” gelandet, habe aber nur mit einem Ohr mitgehört und muss mir diesen noch mal anschauen. Mit Abstand am Schrecklichsten (abgesehen von Sexismus-Fails) fand ich den Vortrag “Cellular protocol stacks for Internet” bei dem ich schon nach wenigen Minuten aufgrund von akutem Abkürzungs-Overflow abgeschalten habe und den Eindruck hatte, sämtlichen Leuten um mich herum ging es ähnlich. In diesem Tempo ist es unmöglich sowas im Gedächtnis zu behalten (außer man kennt eh schon alle Protokolle in- und auswendig ;)). Abends ging es dann weg vom Congress und auf zur “Spackeriade” der Datenschutzkritischen Spackeria, was man in der ein oder anderen Hinsicht als Gegenveranstaltung verstehen konnte. Dort habe ich endlich Puzzlestuecke kennen gelernt und den ziemlich guten Vortrag “Alles offen, alles gut?” von Helga gesehen, den ihr unter dem angegebenen Link anschauen könnt. Danach bin ich noch zum Netzfeministischen Biertrinken aufgebrochen was durch eine lange Tafel erstmal sehr ungemütlich war. Später waren dann Umzug auf eine Sofalandschaft und noch ein paar Gespräche (unter anderem mit r4gni und Michael) drin.

Am letzten Tag habe ich nach gemütlichem Frühstück einen Vortrag gesehen, den ich uneingeschränkt empfehlen kann. In “Your Disaster/Crisis/Revolution just got Pwned” erzählen Herr Urbach und willowbl00 von ihren Projekten die Menschen in Krisengebieten bzw. Krisensituationen unterstützen und worauf bei der Arbeit an solchen Projekten ankommt. Danach ergatterte ich einen Platz im brechend vollen Saal 2 um den Vortrag “Antiforensik” anzuschauen, welcher insgesamt recht unterhaltsam war. Gleich danach fand dort “bup: Git for backups” statt, wo ich den Referenten recht sympathisch und witzig fand. Da dies der letzte Tag war, gönnte ich mir mit meiner Begleitung ein leckeres und ausgiebiges Mittagessen inklusive Nachspeise, bevor wir uns noch den schönen “Quantum of Science” Vortrag anschauten, bei dem ich sehr froh über meine Mathematikkenntnisse war. Nachdem Puzzlestuecke mich verabschiedet und mein Bändchen ergattert hatte, ging es auch schon wieder (mit verspätetem Flug) ab nach Hause.

Im Nachinein habe ich mir noch die sehr berührende Diskussion über Depressionen angeschaut, die dort stattfand. Solltet ihr auch tun. Stephan Urbach hat auch hierzu was geschrieben und ein paar Links (unter anderem zur Diskussion) gepostet. Was ich sonst noch so verpasst habe und bereue:
- Das Queer Geeks & Naughty Nerds Treffen
- Das Queer Geeks Panel (Aufzeichnung hinter dem Link)
- Treffen mit Adrian, Franziska und Posiputt. I’m sorry :-(
- mehr Zeit mit anderen
- mehr Zeit für mich und mit meiner Begleitung

Ich komme wieder!

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4 Responses to Chaos Communication Congress (28c3) in Berlin

  1. yetzt sagt:

    ich fands ebenfalls großartig dich zu treffen. :)

    <3

  2. Philip sagt:

    yeah! komm bald wieder!
    und schon mal gute tipps für vorträge, von denen ich mir die aufzeichnung dann noch anschauen sollte.

  3. [...] Zwischen Weihnachten und Neujahr trafen sich in Berlin wieder einmal Haecksen und Hacker zum Chaos Communication Congress – Sexist_innen und Nazis waren leider auch dabei. So entwickelte sich eine Diskussion um den „Balls of Steel“-Award von Fefe. Auch side-glance war dabei und hat darüber gebloggt. [...]

  4. Dominik sagt:

    Danke, da gibts ja einige Vorschlaege an Vortraegen, die ich mir noch ansehen koennte. Bisher hatte mir der Vortrag von Meredith Patterson am Besten gefallen. Wollte mir auch mal wieder die “parser combinators” und Haskell anschauen bzw steht das eh schon auf der Liste; aber da war der Vortrag nochmal eine extra Anregung.

    Cool war auch bei Dan Kaminsky, wo er erzaehlt hatte, dass sie sone Art Nachruf an Len Sassaman in das bitcoin “Transaktionslog” (oder so) eingebaut haben. Das depression panel fand ich auch recht interessant.

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