Im kommenden Monat (also ab morgen) werde ich als Gastbloggerin beim Missy Magazine anzutreffen sein. Ich habe mich daher dazu entschlossen, die dortigen Artikel etwas später auch hier zu veröffentlichen. Falls ihr diese stattdessen zeitnah verfolgen möchtet, könnt ihr dies auf http://missy-magazine.de/ tun. See you! :-)
Diesen Blogpost schreibe ich im Kopf schon seit 2009. Vielleicht auch schon länger, eigentlich weiß ich es selbst nicht mehr. Ich habe ihn schon mindestens 28 mal oder so angefangen und wieder gelöscht, jedes Mal wenn dieses Thema aufkam. Heute mache ich es wie die Massenmedien und springe auf einen Zug auf.
Meine Erfahrungen mit den Piraten: Ich beobachte die Piraten bereits seit der Gründung. Anfangs war ich sehr sehr froh über deren Existenz, später kritisch (von Leuten über Twitter usw. angepampt werden ist blöd), heute bin ich distanziert aber trotzdem noch weit davon entfernt den Piraten gegenüber irgendwie negativ eingestellt zu sein.
Zur Distanz: Ich habe nach dem Besuch einer von den Piraten organisierten Veranstaltung schlechte Erfahrungen sammeln dürfen, die unter Anderem mit anonymen Gewalt- und Morddrohungen mir gegenüber zu tun hatten. Das hat mich weit von der Partei entfernt, obwohl diese meiner Meinung nach nichts für die Einstellung einzelner (Ex-)Mitglieder kann und obwohl ich von den restlichen Beteiligten (bis auf eine Ausnahme) sehr unterstützend behandelt wurde. Hier war das Genderthema, was jetzt wieder über Twitter und durch die restlichen Medien die es noch so gibt huscht, der “Auslöser” (die Veranstaltung wurde durch die AG-Männer organisiert).
Meine Meinung zu Frauen und Piraten, Piraten und Frauen, Piratinnen und anderen Nerds:
@map hat recht mit seinen Beobachtungen, dass es Menschen gibt die nicht merken, dass sie mit Reaktionen auf Kritik oder durch Aussagen aus privilegierter Position heraus andere verletzen. Oder einfach wenig Empathie mitbringen und damit schlimmstenfalls Frauen und andere fernhalten. Dennoch nehme auch ich es so wahr, dass es viele Mitglieder gibt die sich ehrlich dafür interessieren und auch engagieren und es tut ein bisschen weh, dass die Kläfferinnen und Beisser die in ihrem verletzten Stolz irgendwas gemeines hinrotzen irgendwie immer automatisch präsenter erscheinen.
@dyfustic hat recht damit, dass unsere Gesellschaft vollgestopft ist mit blödem stereotypem Gedöns für Frauen, was natürlich an Erwartungen und Folgen geknüpft ist, vor denen sich die Piratenpartei nicht mal schützen könnte, wenn sie es denn unbedingt wollte (was übrigens meiner Meinung nach einer der Gründe ist, warum post-gender sein in vieler Hinsicht zwar erstrebenswert aber kein gegenwärtiger Zustand ist).
Hinzufügen möchte ich noch (was mir grade noch so Random einfällt):
- Man kann nicht vernachlässigen, dass die niedrige weibliche Beteiligung an Politik und Technik auch historische Gründe hat die uns alle, ob wir wollen oder nicht immer noch verfolgen. Hierzu wäre es natürlich für Interessierte angebracht sich damit zu beschäftigen.
- Zumindest ich empfinde es als sehr anstrengend mich aus diesen Gründen immer wieder für “unweibliche” Entscheidungen rechtfertigen zu müssen, sehe da auch einen nachvollziehbaren Grund sich als Frau zu “verstecken” und kein öffentliches Amt anzutreten. Dazu gehört auch die Situation jetzt, wo sich weibliche Mitglieder dauernd in der Position wiederfinden wo sie sich dafür rechtfertigen müssen warum sie in “so einer” Partei sind usw.
- Dieses Thema tut weh, weil jede_r sich in irgendeiner Weise beim Thema Geschlecht angesprochen fühlt und irgendwas zu sagen hat, jedoch nicht alle den selben Wissenstand mitbringen und auch nicht das nötige Feingefühl um anderen nicht zu nahe zu treten (was über’s Internet leider auch möglich ist).
Das Wochenende ist vorbei und ich sitze müde, ruhig und an einem Stück Brot kauend an meinem Schreibtisch und überfliege meine Twitter-Timeline. Solche Rituale die mit dem Internet zu tun haben pflege ich nun schon ziemlich lange. Vermutlich könnte man, wenn man wollte, schon seit Ewigkeiten ein suchtähnliches Verhalten feststellen. In meinem Hinterkopf irgendwo, da schlummert der Gedanke an mein Blog. Wie es da irgendwo im Netz herumliegt zwischen Interessen und Belanglosigkeiten und darauf wartet von mir mit irgendwelchen eigenen Interessen oder Belanglosigkeiten gefüttert zu werden. Bei meiner Themenwahl habe ich mich stark eingeschränkt und versuche seither möglichst Passendes zu produzieren und zu sammeln. Wenn das manchmal ganz gut klappt (auch wenn ich dann doch nicht immer darüber blogge) und ich zum Beispiel Dinge über Frauen lese die tolle, für mich interessante Dinge auf die Beine stellen, dann macht mich das glücklich und ich habe das Gefühl, dass das hier irgendwie passt und richtig ist. Es gibt aber auch Tage, Zeiten oder Momente wo das nicht so gut klappt und ich mir vorkomme, als ob ich wochenlang nur die gleichen ollen Diskussionen über Frauenbeteiligung an wasauchimmer lese oder eh nur bescheuerte, sexistische Neuigkeiten. Das zermürbt mich, das macht mir keinen Spaß. Das gibt mir das Gefühl ich müsste hinsichtlich dieser Themen langsam in Rente gehen, noch bevor ich überhaupt angefangen habe mich ausreichend zu engagieren. Deshalb frage ich mich oft, wie es mit meinem Blog und mir denn nun weitergehen soll. Oft spiele ich mit dem Gedanken, es zu erweitern um die Dinge, die mir sonst noch so einfallen und die hier vielleicht eher Off-Topic sind. Lustigerweise wurde ich schon mehrfach als Technikbloggerin bezeichnet und habe mich über die Bezeichnung dann doch ein bisschen gewundert. Denn über die Inhalte meines Studiums, meiner Arbeit oder Freizeit habe ich dann doch recht wenige Worte verloren. Ein weiterer Gedanke der immer wiederkehrt ist: aufhören, am Besten sofort. Aufhören und ein Stück weit auch aufgeben. Meine Meinung und Perspektive für mich behalten und mich stattdessen still freuen oder aufregen oder nur noch Informationsfetzen auf Twitter teilen und Links oder Bildchen in irgendwelchen Soups zu sammeln. Es ist als gäbe es so viel und gleichzeitig so wenig zu schreiben, je nachdem wie man es betrachtet.
Im September ist es so weit, da kommt WIRED nach Deutschland. WIRED ist ein US-amerikanisches Magazin, welches sich aufgrund der Thematik eindeutig an Geeks richtet. Es geht nämlich um so ziemlich alles, was man auch nur ansatzweise mit zukünftiger und gegenwärtiger Technologie verbindet. Eigentlich gab es für viele also Grund zur Freude, wäre da nicht, neben einer iPad-App, dieser äußerst merkwürdige Vertriebsweg im Printbereich. Das deutsche WIRED, welches eigentlich bereits durch fragwürdiges Schwarz-Rot-Gold auf der zugehörigen Website schon genug Fremdschämpotenzial mitbrachte, wird nämlich im Bündel mit einem Männermagazin (“GQ”) erscheinen. GQ ist (auf den ersten Blick, einen Weiteren habe ich mir bisher erspart) so eine Art typisches Frauenmagazin (Mode, Sex, Blahblahgähn..) nur, aus Marketingperspektive mit einem binären Geschlechtermodell, mit umgekehrten Vorzeichen. “Verrückte Welt”, war da mein erster Gedanke und der nächste: “wer zum … denkt sich sowas aus?”. Bevor jetzt jedoch die Zielgruppenstatistikblahkeule als Antwort kommt: Auch ich lebe nicht in einer eigenen schönen geekfeministischen Welt. Im Gegenteil, würde ich mich nur mit Technologie beschäftigen wäre ich noch beinahe immer und ausschließlich von sich als männlich definierenden Wesen umgeben, ja und die gehören teilweise zur gedachten und auf jeden Fall zur realen Zielgruppe. Aber die eine oder andere und Leute die sich generell einen Dreck um Mode oder Sexratgeber scheren und ich auch. Vielleicht liegt es an der fehlenden Relevanz die dem Printbereich im Allgemeinen so zugesprochen wird, vielleicht an Ignoranz, vielleicht war es ein Kompromiss, vielleich auch einfach nur eine sehr dumme Entscheidung. Selbstverständlich bin ich in der Lage ein Männermagazin zu kaufen, aber trotz alledem frage ich mich immer wieder: für wen halten die mich? Für wen halten die uns? What the fuck?
Neben dem Webseitendesign macht auch diese Tatsache leider keinen sonderlich modernen oder zukunftsgerichteten Eindruck. Das amerikanische Original war sicherlich auch nicht immer frei von ollen Stereotypen und Sexismen, aber Artikel mit Limor Fried und How-Tos mit Christina Bonnington zeigen meiner Meinung nach wie es auch geht. Auch das Redaktionsblog der deutschen Ausgabe lässt zumindest wieder Hoffnung aufkommen. Mal sehen.
Die Zeit vergeht viel zu schnell, während ich durch die Semester, Prüfungen und Verpflichtungen hetze. Es ist soweit, ich habe vier Semester erfolgreich hinter mich gebracht und der letzte Semesterende-Artikel liegt schon über ein Jahr zurück. Vor drei Wochen habe ich mal wieder gespürt was es bedeutet, wenn alles genug bis zu viel ist und nach anschließendem Urlaub bin ich nun, wie beinahe schon gewohnt, in mein Nachprüfungsloch geplumpst. Die Anspannung und Belastung sind weg, Erfolge sind gefeiert, Misserfolge verkraftet, die Zukunft (ein praktisches Semester) steht bevor und ich sitze da mit einem kleinen Rest Zeit für mich.
Alle Ideen, alle aufgeschobenen Dinge brodeln in meinem Kopf und wollen am liebsten alle gleichzeitig herauskommen, während ich keine Ahnung hab womit ich beginnen soll und was überhaupt davon noch wichtig ist und was nicht. Vielleicht sollte ich meinem Gehirn einfach eine Auszeit gönnen und anschließend in Ruhe neu starten. Mein Luxusproblem Freizeitstress war aber schon immer da. Denn es gibt immer viel zu tun, zu hören, zu sehen, zu werkeln, zu lesen, zu schreiben, zu treffen, zu verbessern, zu verschönern, zu erleben… Und ich schaffe es regelmäßig, dass mein “mach ich wenn ich Zeit hab”-Puffer überläuft und mich so beinahe verzweifelt dastehen lässt wie im Moment.
- a blog about women in computing, feminism, stereotypes and so much more.
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