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Stille durchbrechen.

Persönliches

Es ist einige Zeit vergangen, seit ich angefangen habe zu bloggen. Während ich voller Themenideen startete und letztes Jahr einen Artikel nach dem anderen publizierte, wurde es zum Beginn meines Studiums sehr sehr still hier. Da ich sowieso persönlicher blogge, als ich das Ganze geplant hatte, kann ich an dieser Stelle auch erwähnen, dass die Stille hauptsächlich damit zu tun hat, dass es mir nicht sonderlich gut ging.

Während dieser Zeit war ich sehr passiv und habe zwischendurch sogar überlegt, ob ich die Beschäftigung mit dem Themengebiet Feminismus, Gender- und Nerdkram, Frauen und IT nicht lieber aufgeben sollte. Letztendlich habe ich mich jedoch dagegen entschieden und habe weiterhin verfolgt was sich so um mich herum und in diversen Social Networks diesbezüglich tut.

side-glance

Letzte Woche habe ich meinem Blog eine eigene DE-Domain verpasst, da mir die Adresse zu kompliziert erschien. Ihr könnt mich von nun an unter www.side-glance.de erreichen, verlinken, bookmarken, empfehlen.

Andere Geekfeministinnen

1. Blogs

Während ich meinen Winterschlaf hielt, haben sich glücklicherweise weiterhin viele andere Menschen mit den bisherigen Kernthemen meines Blogs beschäftigt. Sehr gefreut habe ich mich zum Beispiel über Kommentare der Informatikstudentin Zahlenzauberin und der Physikerin DiePumpgun, die in ihren Blogs ähnliche Dinge schildern wie ich, jedoch auch über ganz andere Themengebiete schreiben. Auch Helga (hanhaiwen) von der Mädchenmannschaft hat ein eigenes Blog begonnen.

Zwischendurch habe ich mal ein Interview mit GirlsCanBlog beantwortet. Ein super Projekt, welches ich nur als Lesestoff empfehlen kann.

2. Projekte und Barcamps

2.1 FrauenImNet

Eine weitere interessante Sache ist das Projekt FrauenImNet, welches Anfang Juni zu einem ersten Vernetzungstreffen einlädt. Ich bedauere es sehr, dass ich gerade weder zeitlich noch finanziell in der Lage bin solche Veranstaltungen zu besuchen. Sehe dieses Projekt jedoch als vielversprechende Plattform an um das Thema “Frauen im Netz” und alles drumherum angemessen zu behandeln.

2.2 Piratinnen

Ganz besonders bewundere ich auch das Engagement von Piratenweib sowie Leena, welche den Mut fanden, das Thema Gender innerhalb der Piratenpartei anzusprechen und letztendlich das FrauenImNet Projekt anzustoßen. Über die Piratenpartei und die Genderdebatte möchte ich jedoch auch an dieser Stelle keinen weiteren Kommentar abgeben. Ich habe dennoch alles verfolgt und verweise an dieser Stelle gerne auf folgende Artikel:

http://maedchenmannschaft.net/gendern-kentern-schiff-ahoi/

http://maedchenmannschaft.net/piratenpartei-post-gender-war-gestern/

http://www.iheartdigitallife.de/postgender-in-bingen/

2.3 Gendercamp

Ein weiteres Event, welches ich leider verpasst habe, war das Gendercamp. Passend zum Thema Nerd/Geekfeminismus gab es dort eine Session zum Thema Female Nerds. Online könnt ihr die Female Nerds Hall of Fame betrachten und ergänzen. Hier gibt es außerdem Audioaufzeichnungen zum entsprechenden Gespräch.

2.4 SIGINT

Heute beginnt übrigens die SIGINT 2010 Konferenz, welche sich den Diskursen im digitalen Zeitalter widmet. Morgen (am 23. Mai 2010) findet dort ein Diskussionspanel zum Thema “Women and Geek Culture” statt.

Bloggerin des Jahres.

Die Mädchenmannschaft ist auf der Suche nach der Bloggerin des Jahres 2009 und wenn euch danach ist, dürft ihr da gerne für mich abstimmen. :-)

Von der Schere im Kopf

Gerne hätte ich anonym gebloggt und es wäre mir auch sicherlich irgendwie gelungen, hätte ich mir genügend Mühe gegeben. Aber je mehr ich hier reinwachse, desto mehr wächst das Bedürfnis die Beiträge nicht irgendeinem Pseudonym zuzuschreiben. Was aber letztendlich die ach so gewünschte Anonymität vollends tötet, ist die Notwendigkeit eines Impressums in deutschen Blogs.

Ich muss zugeben, dieses Projekt konnte nur wachsen, weil ich mich sicher gefühlt habe. Die Sicherheit, dass erstmal, auf den ersten Blick eh niemand weiß “wer ich bin”, hat mich unheimlich angespornt. Bisher habe ich Blogs immer geschlossen, weil ich nach etwa einem Jahr merkte, wie wenig von mir in den alten Beiträgen noch drinsteckt. Ich lese sehr viel, ich erlebe Dinge und ich erweitere meinen Horizont ständig und “die dummen Ansichten von damals” werden mir manchmal schon nach kürzester Zeit peinlich. Das bedeutet nicht, dass ich meine Meinung komplett ändere, sondern lediglich, dass ich mich weiterentwickle. Manchmal sehe ich Beiträge auch wie Entwürfe von Gedanken, die niemals zuende gedacht wurden. Man macht eine Aussage und erst durch andere Einflüsse merkt man, an welchen Stellen man etwas vergessen oder nicht berücksichtigt hat, manchmal merkt man auch, dass man einfach falsch lag. Vielleicht ist das hier nun auch eine Chance mich dabei zu begleiten.

Viel schlimmer als das ist aber die Schere im Kopf. Wenn ich beispielsweise das Thema Kinderpornografie nehme und mich kritisch zu den Plänen von Ursula von der Leyen äußere, eine Petition mitzeichne und in den folgenden Tagen Aussagen von PolitikerInnen lese, die sich Menschen wie mir gegenüber beleidigend und respektlos äußern und die mich und viele andere in eine schmutzige Schublade stecken… Dann frage ich mich auch, was wohl passieren mag, wenn sich unsere Gesellschaft und unsere Gesetze verändern und die freie Meinungsäußerung mir gleichzeitig ganz heimlich einen Stempel aufgedrückt hat.

Auch ist es immer schwierig, wenn Menschen im Umfeld zuerst das Blog kennen, bevor sie einen Menschen kennen. Erst gestern habe ich in irgendeinem Artikel gelesen, wie toll es sei, über Twitter mit Menschen in Kontakt zu treten die man sonst nie kennengelernt hätte. Was ist aber, wenn der erste Twittereindruck so ungünstig ist, dass es die Person gleich vermeidet ein Kennenlernen im realen Leben zu verwirklichen? Oder was machen wir, wenn unser potenzieller Arbeitgeber unsere Interessen gar nicht so gut findet? Es geht ja nicht nur um die vielbesprochenen Saufbilder bei StudiVZ, es geht ja auch um Meinung, Ansichten und Ideen.

Diese und viele andere Faktoren hinderten mich immer wieder daran zu bloggen. Politisch zu bloggen, Meinung zu bloggen, feministisch zu bloggen. Was mich letztendlich aber daran hindert es zu lassen ist das Bedürfnis nach Freiheit, freier Meinungsäußerung, politischer Freiheit, freier Entscheidung. Darum wird das hier nie ein Blog über mein iPhone, meine Katzen und meinen Kleiderschrank.