Nachdem hier nach meinem letzten Artikel die Idee aufkam, zusätzlich zu den netzfeministischen Real-Life-Treffen auch ein Online-Zusammentreffen zu gestalten, startet nun der Versuch eines netzfeministischen Chats. Ziel ist es, einen besseren, gemeinsamen Austausch zu netzfeministischen Themen zu organisieren – vor allem für Menschen, die nicht zu Treffen im Real Life gehen können oder wollen.
Der erste Chat findet am kommenden Donnerstag, dem 10. November 2011 ab 20 Uhr, im IRC-Channel #nfc auf chat.indymedia.org statt.
Ein ähnlicher Channel wurde anlässlich des GenderCamps eingerichtet und steht seither rund um die Uhr für den feministischen Austausch zur Verfügung. Leider ist die Anzahl der Chattenden derzeit sehr übersichtlich, weshalb an dieser Stelle darauf hingewiesen wird, dass der Aufenthalt in den Chatrooms auch außerhalb des Termins ausdrücklich erwünscht ist.
Am 10.11. soll es darum gehen, dass ihr den netzfeministischen Austausch aktiv mitgestalten könnt. Die Teilnahme ist unabhängig vom Aufenthaltsort und Ideen sollen unabhängig vom Wissensstand kommuniziert werden können. Mitmachen kann jede_r und wie es geht erfahrt ihr unten. Ihr könnt direkt über euren Browser (Firefox, Opera, Safari, Internet Explorer usw.) in den Chat einsteigen oder einen Client eurer Wahl benutzen. Solltet ihr noch Fragen zum Chat haben, dürft ihr gerne einfach hier in den Kommentaren fragen.
Der Chat selbst wird moderiert sein, was bedeutet, dass ihr zunächst den Channel betretet und erst dann von den Moderierenden ein Schreibrecht erteilt bekommt. Dies dient nicht dazu Meinungen auszusieben, sondern den Chat vor Trollen und Spam zu schützen um einen guten Austausch möglich zu machen. Unabhängig davon ist der Chat jedoch öffentlich und das dort Besprochene kann von den Anwesenden (deren Identität nicht überprüft werden kann) gelesen und evtl. auch kopiert werden. Die Möglichkeit später in “privaterer” Atmosphäre weiter zu chatten besteht und kann, falls gewünscht, weiter verfolgt werden. Beim ersten Treffen soll der Chat jedoch möglichst offen sein.
Teilnahme am Chat über euren Browser:
1. Besucht diese Seite: http://chat.indymedia.org
2. Unten in der Channelliste ist ein Häkchen bei #indymedia gesetzt, dieses durch Klicken entfernen (sonst seid ihr auch automatisch in diesem Chatroom)
3. Nun unter “Spitzname” euren gewünschten Namen ins Eingabefeld schreiben (sollte möglichst noch nicht im Chat existieren)
4. Unter “Zusätzliche Channels (‘,’-getrennt):” nfc eintragen
5. auf “Chat!” klicken
Falls ihr Befehle für den Chat verwenden wollt, könnt ihr diese auf http://www.irc-mania.de/?go=ircbefehle nachlesen.
Empfehlung: Ein paar Leute von der Piratinnenpartei ;-) haben sich zusammen gesetzt und ein Gespräch über Piratenfeminismus aufgenommen. Hier klicken und hören.
Vor einigen Jahren befand ich mich mitten in meiner Ausbildung und durfte in verschiedene Bereiche des Unternehmens reinschnuppern in Form von mehrwöchigen oder -monatigen Betriebseinsätzen. Damals hatte ich mir so ein richtiges Girlyleben geschaffen und meine Gedanken drehten sich oft um mein Äußeres, mein Gewicht, Klamotten, Party und Schminke.
Exakt diesen Klischees entsprechend genervt war ich dann, als ich einen Einsatz im technischen Außendienst machen musste. Im Laufe der Zeit hat es mir dann aber doch Spaß gemacht und ich habe die Zeit dort gut rumgebracht. Als dann der Tag kam, an dem ich meine Beurteilung abholen durfte, ahnte ich noch nicht, dass dieser Tag und die folgende Zeit darauf mein Leben und meine Einstellung verändern würden.
Saß also meinem “Chef” gegenüber, der mir den ausgefüllten Bewertungsbogen präsentierte, welcher eine äußerst mittelmäßig-sauschlechte Beurteilung enthielt. Er sagte zur Einleitung des Gesprächs fröhlich “von Frauen kann man eh nicht viel erwarten” und begründete schlecht bewertete Punkte mit meiner körperlichen Schwäche, meiner unpassenden Kleidung und seinen persönlichen Ansichten wie, dass ich ja als Frau allgemein nicht in der Lage sei z.B. Werkzeuge voneinander zu unterscheiden. Dazu sei vielleicht noch erwähnt, dass ich mit diesem Mann selbst die ganzen Wochen kein einziges Mal zusammen gearbeitet hatte. Die ganze Bewertung über war ich ganz still und habe meine Tränen runtergeschluckt, bis ich das Betriebsgelände verlassen hatte. Eigentlich habe ich es nur geschafft, die Beurteilung ohne meine Unterschrift in meiner Tasche verschwinden zu lassen. Es waren allerlei unangenehme Gespräche und einiges an Schriftkram notwendig um diese unfaire Bewertung wenigstens als ungültig erklären zu lassen. Zunächst war ich noch sehr optimistisch als mir sofort von Seiten der Gewerkschaft und Kolleg_innen Unterstützung zugesagt wurde. Der nächste Schlag ins Gesicht kam jedoch dann, als mein Ausbilder mir ebenfalls seine Unterstützung zusagte und sich aber dann hinter meinem Rücken mit diesem “Chef” darauf einigte, dass das doch alles ein riesengroßes Missverständnis gewesen sei (er kam mir dann mit einem: weißte ja…. Männer und Frauen..) und eigenmächtig beschloss das Thema sei von nun an erledigt, weil man(n) ja keinen Stress möchte (nachher nimmt der Betrieb keine Azubis mehr und es müssen neue Plätze gefunden werden).
Gerne hätte ich das ganze Thema damals unter “Einzelfall” abgehakt, jedoch erfuhr ich zur gleichen Zeit von einer ganz anderen Person, der im gleichen Unternehmen an einer anderen Stelle ebenfalls sehr erschütternde Dinge passierten. Es ging in diesem Fall um sexuelle Belästigung und weil es von der Person so gewünscht wurde (und ich das respektiere), hat das Unternehmen bis heute nichts davon erfahren.
Diese Vorfälle haben mich zunächst hellhörig und vorsichtig gemacht. Ich hatte all die Unterstützung von meinen Kolleginnen und Kollegen, von meiner Familie und Freunden und versuchte von da an auch selbst Unterstützung zu sein. Ich begann mich nach und nach über all die Dinge zu informieren, die mir meine Bücher über “Freche Powerfrauen” nicht verraten wollten. Fassungslos war ich auf der Suche nach Gründen und Ursachen. Es dauerte noch fast zwei Jahre, bis ich mich zum ersten Mal selbst als Feministin bezeichnete. Oft musste ich noch darüber nachdenken, wie sich das mit meinem selbsterschaffenen inneren Girly vereinbaren lässt dem doch Gleichberechtigung als Selbstverständlichkeit versprochen wurde. Das Girly, das Monate vorher noch geschimpft hat, als es mit Kolleg_innen eine Präsentation zum Thema Gender ausarbeiten musste. Das sich nur ein bisschen wunderte, als Gewerkschaftsmenschen es am 8. März im hintersten Büro aufsuchten um ihm eine Blume zu überreichen.
Heute ist mal wieder dieser 8. März.
This is what a feminist looks like.
Oft schon habe ich mich gefragt, ob es nicht weniger stressig und frustrierend gewesen wäre, das Thema Geschlecht und Informatik(studium) nie so weit zu denken und stattdessen einfach alles so zu nehmen wie es kommt. Vermutlich würde ich dann bei sexistischen Witzen schmunzelnd in der Ecke sitzen und fröhlich, unbeschwert denken “hach, so sind sie halt”. Ich würde Frauen, die sich diesen Situationen entziehen indem sie lieber gleich anderen Interessen nachgehen betrachten, mit den Schultern zucken und denken “hach, so sind sie halt”.
Doch meine Ansichten haben sich zum Glück anders entwickelt (und sie entwickeln sich noch immer, mit jeder Erfahrung), auch wenn ich manchmal ganz froh wäre, weniger über soziale Probleme zu grübeln. Wann immer ich Menschen kennenlerne wird das jedoch auf die ein oder andere Art zum Thema. Die Frage “und wie bist du dazu gekommen DAS zu machen” verfolgt mich vom Kaffeekränzchen mit der Familie bis zum Small Talk in der Bar. Allen scheint klar zu sein, dass es unter derzeitigen Bedingungen kaum möglich ist, dass ich mich vollkommen ohne je gründlich darüber nachgedacht zu haben für mein Studienfach entschieden habe. Doch jedes Mal, wenn ich versuche eine angemessene Erklärung zu finden, fällt mir auf, dass ich mich eigentlich in diesen Momenten gar nicht erklären will. Was geht es die Bankangestellte an, warum ich mich schon immer für Computer interessiere, wenn ich doch nur mein Konto kündigen möchte und mein Studium als Begründung dafür angebe, warum mich Anlagemöglichkeiten derzeit nicht interessieren.
Dennoch ist es meine Chance etwas zu sagen und Stellvertreterin zu sein, für die die ihr berufliches Glück abseits von gesellschaftlichen Erwartungen finden. Nehme ich die Rolle der Stellvertreterin an, versuche ich jedoch verzweifelt Menschen die beispielsweise an männliche und weibliche Gehirne glauben erstmals in ihrem Leben etwas von Sozialisation zu erzählen. Natürlich meistens erfolglos, denn ich allein als Beispiel bin noch lange kein Beweis für irgendwas. Dennoch lässt mich die Stellvertreterin nicht in Ruhe. Oft hole ich sie aus der Schublade, wenn ich meine eigene Leistung bewerte oder diese mit Leistungen anderer vergleiche. Dann kommen die Zweifel und Gedanken wie “wenn ich schon die Einzige bin, wäre es schon schöner, wenn ich noch etwas besser abschneiden würde” und Befürchtungen wie “vermutlich werden sie nun meine Leistungen als Referenz für alle Frauen nehmen”. Da ich in der Lage bin solche spontan auftretenden Gedankenfetzen zu hinterfragen, gelingt es mir zwar meistens diesen Blödsinn schnellstmöglich wieder zu verwerfen, jedoch schaffe ich es nicht solche Gedanken für immer zu verbannen. Das Gefühl immer möglichst besser sein zu müssen ist ein ekelhaftes und raubt den Raum, der eigentlich für Stolz und Erfolgserlebnisse reserviert sein sollte.
Trotzdem werde ich ihr wohl noch öfter begegnen, dieser Stellvertreterin. Sie hat übrigens keine Schwächen, nur die guten “weiblichen Eigenschaften”, sieht nicht schlecht aus und macht das alles mit Links.
Über Sprache, Humor und Linux hat Silke Meyer bei der AG Queer Studies einen Vortrag gehalten, der mir persönlich sehr gut gefallen hat und bei dem ich immer wieder das Bedürfnis hatte zustimmend zu nicken. Sie vereint in ihren Erlebnissen (Teil ihrer Dissertation) ihr Interesse an Linux und and den Strukturen in entsprechenden User Groups oder Veranstaltungen. [Link]
Um Feminismus und Internet geht es im Interview zwischen Radio Unerhört und Svenja Schröder. Es wird der Frage nachgegangen inwiefern im Internet Geschlechterungleichheiten reproduziert werden und wo die Grenzen und Nachteile für Frauen liegen. [Link]
- a blog about women in computing, feminism, stereotypes and so much more.
Schlagwörter
barcamp barrier-series big brother blog ccc censorship chauvinist idiots facebook fail feminism free/libre and open source software gadgets gender haecksen language linux Mac masculism mentoring missy magazine nerdism netzfeminismus netzpolitik personal podcast politics school sexism social networks studies stupidity sysadmin twitter weird wired women in computing women in technologyabout sexism
comics
Podcasts
useful



