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Oft genug wurde auf Blogs bereits die Selbstbezeichnung von weiblichen Personen im Netz diskutiert. Es fällt immer wieder auf, dass sich in Nicknames von diesen Personen überraschend oft Hinweise auf das eigene Geschlecht wie “mädchen”, “girl”, “grrrl”, “frau” oder auch “fräulein” oder “frl” und Weitere finden. Da ich mit meinem Twitternickname “frl_pfefferminz” selbst zu diesen Personen gehöre schreibe ich einfach mal ein paar Zeilen dazu.

Mittlerweile bin ich seit gut 11 Jahren im Netz unterwegs und zu Beginn meiner Internetaktivitäten spielten Chatrooms eine bedeutende Rolle. Über Schulfreundinnen kam ich dazu mich bei mehreren Webchats zu registrieren und dort regelmäßig mit fremden und bekannten Menschen zu kommunizieren. Noch etwas später war ich auch kurz im IRC aktiv, bevor sich meine Chataktivitäten vollständig in Instant Messenger verlagerten. Klassischerweise begann so ein Chat-Gespräch mit der Frage “a/s/l?”, also deutsch “Alter, Geschlecht, Ort”. Viele Teilnehmer_innen in Chats hatten deshalb eine oder mehrere dieser Angaben bereits in ihrem Nickname, wobei das Geschlecht vermutlich die häufigste Variante darstellte. Vermutlich hat sich da bis heute nicht viel geändert. Schon damals habe auch ich mich mit entsprechenden Selbstbezeichnungen unter all die Mäuschen und Prinzessinnen gemischt, dies aber nach einigen Jahren zugunsten neutraler Nicknames abgelegt. Erst als ich das Thema meines Blogs definierte, kam wieder der Wunsch auf einen offensichtlicheren Namen zu verwenden.

Die Anrede Fräulein wird trotz ihres sexistischen Hintergrundes auch heute noch im Alltag verwendet. Offiziell gilt sie als veraltet und es wird zum Beispiel vom Duden darauf hingewiesen “Als Anrede für eine erwachsene weibliche Person sollte, unabhängig von Alter, Familienstand und Beruf, immer Frau statt Fräulein gewählt werden. Die Anrede Fräulein ist nur noch üblich, wenn die angesprochene Frau diese Bezeichnung selbst wünscht.” Geschichtliche Hintergründe können bei Bedarf im Netz nachgelesen werden.

Die Selbstbezeichnung Fräulein hat in meinem Falls zwei Bedeutungen:
Zum einen die Ironische, sich mit der Bezeichnung Fräulein zu schmücken. Zum anderen der implizite Hinweis, dass es sich hinter dem Nickname um eine junge, weibliche Bloggerin handelt.

Am Häufigsten nehme ich den Begriff im Alltag von erwachsenen Personen gegenüber jungen Mädchen wahr, mit ermahnendem Unterton. Darauf nimmt vermutlich auf der auch als StudiVZ-Gruppe bekannte Spruch “et klatscht gleich, aber keinen Beifall, Frollein!” Bezug. Ich erinnere mich aber auch daran, dass ich vor einigen Jahren in der Urlaubszeit die Vertretung für eine Kollegin im Einkauf meines damaligen Arbeitgeber übernahm. Die wesentliche Aufgabe dabei war telefonieren und da die liefernden Firmen alle den Kontakt mit meiner Kollegin gewohnt waren, mussten sie sich erstmal an mich gewöhnen. Ein älterer Mann von einer Schraubenfirma rief mich zurück und begrüßte mich mit den Worten “Hallo Fräulein!”. Als ich ihn darauf hinwies, dass diese Bezeichnung längst veraltet sei reagierte er mit Verwunderung. Später zog ich zwecks Studium um und suchte mir eine Hausärztin in meiner Nähe. Als ich dort zu einem Termin erschien, rief die Dame an der Rezeption mit schriller Stimme “Frau Doktor, das junge Fräulein ist jetzt da!”. Sie musste keinen Namen nennen, denn da nebenan ein Altersheim ist, bin ich nahezu das einzige “junge Fräulein” unter den Patient_innen. Anstatt wieder Leute zurechtzuweisen musste ich eher schmunzeln.

Heute hatte ich einen Termin in der Altstadt. Auf dem Rückweg drängten sich Menschenmassen und ein DHL-Transporter durch die Gassen. Ich hatte es eilig und wollte am Transporter vorbei, jedoch standen ein Vater und sein Sohn im Weg, die sich unterhielten, sodass ich einen noch größeren Bogen machen musste. In diesem Moment kam mir eine alte Dame mit dem Fahrrad entgegen, blieb stehen und riss die Augen auf um mich anzuraunzen “Hör mal Fräulein, du quetschst dich jetzt nicht hier vorbei!!”. Quetschen musste ich mich nicht, es reichte auch so an allen Personen vorbei und ich ging schulterzuckend weiter.

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Ich muss zugeben, ich habe ein Problem mit geschlechtsneutraler und geschlechtsspezifischer Form in der deutschen Sprache. Das Problem äußert sich vorallem dann, wenn ich geschäftlich an Personen schreiben muss oder Fachartikel oder beispielsweise einen Deutschaufsatz, oder oder oder…

Grundsätzlich bin ich etwas enttäuscht davon, dass es im Deutschen so oft heißt: “Frauen sind doch mitgemeint” (Generisches Maskulinum). Ich mag deshalb das Binnen-I sehr gerne, stoße aber auch da oft an Grenzen wo ich nicht weiß, wie ich jetzt formulieren soll, was ich eigentlich sagen will, über wenn ich spreche, wen ich anspreche. Erschwerend kommt hinzu, dass das Binnen-I in Deutschland gegen die Rechtschreibregeln verstößt und in meinem Bundesland sogar vom Kultusministerium “verboten” wurde.

Ich werde in Zukunft noch viel lesen, bis ich endlich eine für mich befriedigende Lösung gefunden habe. Ich werde auch noch viel schreiben, bis ich endlich selber einen durchgängigen Stil erreiche. Schon jetzt springen mir aber oft so richtige Aufreger ins Gesicht.

Letzte Woche habe ich mir bei der Arbeit mal ein paar Weiterbildungsangebote angeschaut die per Post kamen. In der Kursbeschreibung und im Titel eines Seminares wurden ausdrücklich “Sekretärinnen und Assistentinnen” angesprochen, während im nächsten Flyer “Ingenieure und Techniker” die Zielgruppe waren. Ich habe viel Verständnis für das Generische Maskulinum aus Gründen der Lesbarkeit oder ähnlichen Begründungen. Ich habe aber KEIN VERSTÄNDNIS für solche eindeutig klischeehaften, geschlechtsbezogenen “mal so, mal so” Formen. Den Seminaranbieter habe ich dann anonym und höflich darauf hingewiesen, dass es mich als Frau nicht gerade anspricht einen Kurs bei ihnen zu belegen. Zurück kam der Hinweis, dass sie zukünftig darauf achten werden und es sich ausschließlich um Entscheidungen aufgrund der Lesbarkeit handeln würde. Aha! Ich werde euch weiter beobachten, meinem kritischen Seitenblick entgeht ihr nicht. :)

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