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Die Zeit vergeht viel zu schnell, während ich durch die Semester, Prüfungen und Verpflichtungen hetze. Es ist soweit, ich habe vier Semester erfolgreich hinter mich gebracht und der letzte Semesterende-Artikel liegt schon über ein Jahr zurück. Vor drei Wochen habe ich mal wieder gespürt was es bedeutet, wenn alles genug bis zu viel ist und nach anschließendem Urlaub bin ich nun, wie beinahe schon gewohnt, in mein Nachprüfungsloch geplumpst. Die Anspannung und Belastung sind weg, Erfolge sind gefeiert, Misserfolge verkraftet, die Zukunft (ein praktisches Semester) steht bevor und ich sitze da mit einem kleinen Rest Zeit für mich.

Alle Ideen, alle aufgeschobenen Dinge brodeln in meinem Kopf und wollen am liebsten alle gleichzeitig herauskommen, während ich keine Ahnung hab womit ich beginnen soll und was überhaupt davon noch wichtig ist und was nicht. Vielleicht sollte ich meinem Gehirn einfach eine Auszeit gönnen und anschließend in Ruhe neu starten. Mein Luxusproblem Freizeitstress war aber schon immer da. Denn es gibt immer viel zu tun, zu hören, zu sehen, zu werkeln, zu lesen, zu schreiben, zu treffen, zu verbessern, zu verschönern, zu erleben… Und ich schaffe es regelmäßig, dass mein “mach ich wenn ich Zeit hab”-Puffer überläuft und mich so beinahe verzweifelt dastehen lässt wie im Moment.

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Als ich die letzten Tage noch einmal gedanklich durchging, ist mir aufgefallen, dass die Gespräche die ich mit Menschen hatte und die mir im Gedächtnis blieben besonders mit einem Thema zu tun hatten. Möchte das nun schnell festhalten, damit es im ganzen Alltagsstress nicht wieder untergeht.

Alles began mit dem Gespräch zwischen mir und anderen Studentinnen anderer Fachrichtungen. Eine davon hat bereits (noch junge) Kinder und hat nun ihr Studium in einem naturwissenschaftlichen Fach erfolgreich abgeschlossen. Da nun die Frage des Berufseinstiegs im Raum steht, kommen auch riesige Probleme: Fehlende Kinderbetreuung macht eine Vollzeitstelle unmöglich, in ihrer Branche gibt es jedoch keine Teilzeitstellen. Vor allem keine, die nicht das Studium total nutzlos machen.

Einige Tage dachte ich darüber nach und hatte es schon beinahe “verdrängt”, als ich ein Telefonat mit einer guten Freundin führte. Sie ist im moment arbeitssuchend, da ihr letzter Arbeitgeber sie extrem mies behandelt und verarscht hat (sie hat auch nach Monaten keinen Arbeitsvertrag bekommen, war dadurch nicht krankenversichert und und und….). Nach einem Gespräch bei der Agentur für Arbeit wurde Sie zu einem Bewerbungscoach geschickt. An sich eine gute Sache, doch was sie mir davon berichtet hat ließ mich beinahe aus den Latschen kippen. “Er hat einen Persönlichkeitstest mit mir gemacht und als da rauskam, ich sei zu ‘über 90% Mensch’ riet er mir, dass ich doch am besten Mutter werden sollte”. Ich hatte gar keine Zeit mich darüber aufzuregen, denn sie setzte dann noch einen drauf: “als ich aber darauf bestand, dass wir meinen Lebenslauf optimieren, erzählte er mir von einer seiner letzten Kundinnen die sich auf eine Stelle als Verkäuferin bewerben wollte. Er hat ihr laut eigener Aussage geraten, da sie ja so große Titten hätte, ins Anschreiben zu schreiben ‘Kassiererin mit weiteren Qualitäten’”. Denke mal das kann ich unkommentiert stehen lassen, vielleicht noch ihren letzten Satz “als ich nach Hause kam hab ich erstmal geheult”. Die Agentur für Arbeit vermittelt also Coaches die “Mutter werden” als Berufsziel für junge, qualifizierte Frauen empfehlen, aha.

Nächster Tag, langweilige Vorlesung. Ein Kommilitone stupst mich von der Seite an und stammelt aufgeregt “schau mal da raus, schau mal da raus”. Ich blicke aus dem Fenster und sehe einen anderen Studenten der vor einigen Wochen noch als Tutor für uns da war, nun aber sein Studium beendet hat. Er strahlt und auf dem arm hält er ein Baby mit pinkfarbenem Strampelanzug. Nächster Kommentar: “wie alt ist denn der, dass der schon ein Kind hat!11?”.

Das letzte Gespräch diese Woche hatte ich dann mit einer Studentin, die gemeinsam mit mir das Praxissemester in einem Unternehmen diesen Winter antreten wird. Für das Praktkum ist eine Vergütung vorgesehen, es steht jedoch noch die Information der Personalabteilung aus, da es sich bei Praktikant_innengehältern in dieser Firma um einen festen Betrag handelt. Während es mir wichtig wäre, möglichst viel zu verdienen, da ich mich im Herbst krankenversichern muss und mir kein Kindergeld mehr zusteht, wäre es ihr am Liebsten möglichst wenig zu verdienen. Warum? Naja, sie hat mehrere Kinder und sollte das Gehalt eine bestimmte Summe übersteigen, werden ihr diverse Leistungen gekürzt oder gestrichen und sie kommt am Ende weitaus schlechter weg.

Eine Woche, ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben von Menschen. Aber es reicht um zu sehen, dass es einige Probleme gibt in unserem Gesellschaftssystem.

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Oft schon habe ich mich gefragt, ob es nicht weniger stressig und frustrierend gewesen wäre, das Thema Geschlecht und Informatik(studium) nie so weit zu denken und stattdessen einfach alles so zu nehmen wie es kommt. Vermutlich würde ich dann bei sexistischen Witzen schmunzelnd in der Ecke sitzen und fröhlich, unbeschwert denken “hach, so sind sie halt”. Ich würde Frauen, die sich diesen Situationen entziehen indem sie lieber gleich anderen Interessen nachgehen betrachten, mit den Schultern zucken und denken “hach, so sind sie halt”.

Doch meine Ansichten haben sich zum Glück anders entwickelt (und sie entwickeln sich noch immer, mit jeder Erfahrung), auch wenn ich manchmal ganz froh wäre, weniger über soziale Probleme zu grübeln. Wann immer ich Menschen kennenlerne wird das jedoch auf die ein oder andere Art zum Thema. Die Frage “und wie bist du dazu gekommen DAS zu machen” verfolgt mich vom Kaffeekränzchen mit der Familie bis zum Small Talk in der Bar. Allen scheint klar zu sein, dass es unter derzeitigen Bedingungen kaum möglich ist, dass ich mich vollkommen ohne je gründlich darüber nachgedacht zu haben für mein Studienfach entschieden habe. Doch jedes Mal, wenn ich versuche eine angemessene Erklärung zu finden, fällt mir auf, dass ich mich eigentlich in diesen Momenten gar nicht erklären will. Was geht es die Bankangestellte an, warum ich mich schon immer für Computer interessiere, wenn ich doch nur mein Konto kündigen möchte und mein Studium als Begründung dafür angebe, warum mich Anlagemöglichkeiten derzeit nicht interessieren.

Dennoch ist es meine Chance etwas zu sagen und Stellvertreterin zu sein, für die die ihr berufliches Glück abseits von gesellschaftlichen Erwartungen finden. Nehme ich die Rolle der Stellvertreterin an, versuche ich jedoch verzweifelt Menschen die beispielsweise an männliche und weibliche Gehirne glauben erstmals in ihrem Leben etwas von Sozialisation zu erzählen. Natürlich meistens erfolglos, denn ich allein als Beispiel bin noch lange kein Beweis für irgendwas. Dennoch lässt mich die Stellvertreterin nicht in Ruhe. Oft hole ich sie aus der Schublade, wenn ich meine eigene Leistung bewerte oder diese mit Leistungen anderer vergleiche. Dann kommen die Zweifel und Gedanken wie “wenn ich schon die Einzige bin, wäre es schon schöner, wenn ich noch etwas besser abschneiden würde” und Befürchtungen wie “vermutlich werden sie nun meine Leistungen als Referenz für alle Frauen nehmen”. Da ich in der Lage bin solche spontan auftretenden Gedankenfetzen zu hinterfragen, gelingt es mir zwar meistens diesen Blödsinn schnellstmöglich wieder zu verwerfen, jedoch schaffe ich es nicht solche Gedanken für immer zu verbannen. Das Gefühl immer möglichst besser sein zu müssen ist ein ekelhaftes und raubt den Raum, der eigentlich für Stolz und Erfolgserlebnisse reserviert sein sollte.

Trotzdem werde ich ihr wohl noch öfter begegnen, dieser Stellvertreterin. Sie hat übrigens keine Schwächen, nur die guten “weiblichen Eigenschaften”, sieht nicht schlecht aus und macht das alles mit Links.

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Es ist Dienstag, es ist Mittag und ich habe Hunger, weshalb es mich in die Mensa zieht. Als ich mich mit meinem Essen bis zum Tisch vor gekämpft habe ist es bereits brechend voll und ich esse und lausche einer Unterhaltung ein paar Stühle weiter. Zwei Studenten sitzen sich gegenüber und der eine versucht dem Anderen zu erklären, warum es nicht auf die Anzahl der Frauen in seinem Studiengang ankommt, sondern auf die Optik. Obwohl sein Gegenüber nicht wirklich darauf einzugehen scheint, geht er weiter ins Detail und versucht ihm eine Bewertungsskala näher zu bringen, die er wohl regelmäßig anwendet. Ich muss aufpassen, dass mir das Essen nicht hochkommt. In solchen Situationen würde ich mich immer ganz gerne in Gespräche einmischen, jedoch weiß ich auch, dass ich mit Menschen die solche Ansichten haben gar nicht erst anfangen möchte zu diskutieren.

Es ist Mittwoch und ich betrete einen Raum voller Informatikstudenten hinter Computerbildschirmen, die wie ich die Zeit bis zur nächsten Vorlesung totschlagen wollen. Da ich nicht wirklich etwas zu tun habe lausche ich einfach mal den Gesprächen. Fasziniert scheinen sie sich alle über ein gemeinsam gefundenes Thema zu unterhalten und als irgendwo der Satz fiel “worin sollte eine Frau wohl sonst einen Weltrekordversuch starten?” hätte ich meine Ohren doch besser sofort wieder zu gesperrt. Anschließend folgte nämlich eine besonders detaillierte Diskussion darüber, wie viele Männer eine Frau wohl innerhalb welcher Zeit oral befriedigen muss um einen neuen Rekord aufzustellen.

Heute ist Donnerstag und eine weitere Woche meines Studiums ist fast geschafft. Manchmal wünschte ich es wäre wirklich eine persönliche Entscheidung, dieses “darüber stehen oder darunter leiden”. Spiegel Online schreibt was über Frauenstudiengänge und ich möchte heute einfach nur sagen: Ja verdammt, das ist wirklich notwendig. Aber morgen werde ich natürlich wieder drüber stehen, weil ja eh alles nur witzig gemeint war und so.

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Wie immer gab es zum Semesterwechsel ziemliche Veränderungen was die Anzahl meiner Mitstudierenden angeht und diesmal kam es  dazu, dass ich nun in meinem Studiengang in diesem Semester die einzige Frau bin. Meine letzte Kommilitonin hat also den Studiengang gewechselt, was zum Beispiel dazu führte, dass ich nun in Vorlesungen öfter mal mit “was meinen Sie dazu junge Dame?” angesprochen werde (was ich nicht schlimm finde). Letzte Woche gab es dann eine kleine “anonyme” Meinungsumfrage zur Fakultät Informatik und als ich den Fragebogen vor mir liegen sah, wurde mir bewusst, dass Anonymität nun für mich irgendwie das falsche Wort ist, wenn Studiengang und Geschlecht von allen wahrheitsgemäß angekreuzt werden.

Diese Woche wurde mir mal wieder sehr bewusst, dass auch Informatikstudent_innen oft kaum mehr gemeinsam haben als die Studienrichtung. Mir wurde auch bewusst, warum es falsch wäre in diesem Blog für Frauen zu sprechen, warum es selbst falsch wäre für Frauen in der Informatik zu sprechen und warum ich nur für mich spreche und das hier nur ein kleiner Einblick ist in das, was anderen Menschen vielleicht auch so passiert oder passieren könnte. Anlass darüber noch mal nachzudenken war ein Gespräch mit zwei Mädels die einige Veranstaltung zusammen mit mir besuchen, da sie etwas Ähnliches (Softwareentwicklung) studieren. Beide sind schon älter als der durchschnittliche Rest der Leute im Semester und beide haben Kinder, bei denen sie neben dem Studium die Erziehungsarbeit leisten. Wir hatten also eine Pflichtveranstaltung in der es um Zeitmanagement ging und mussten herausarbeiten was für uns Zeit bedeutet und was wir unter guter oder schlechter Zeitplanung verstehen. Sehr viel Blabla eigentlich, aber das Ergebnis hat mich ein bisschen wachgerüttelt, da ich irgendwie auf diesem Auge blind war: Das Ergebnis zu dem meine Kommilitonen und ich kamen war ein völlig anderes, als das zu dem meine Kommilitoninnen kamen. Während der Großteil so um Prokrastination und Planungsmethoden herumlaberte, wurde klar, dass es noch mal etwas völlig Anderes ist “nebenher” ein oder mehrere Kind/er zu haben. Ich habe noch nie so klar gegenübergestellt gesehen, wie solch unterschiedliche Lebenswelten sich auch auf das Studierverhalten und Kontaktverhalten innerhalb des Studiums auswirken. Bisher hatte ich mich immer nur still gewundert, warum die beiden Mädels sich so stark und bewusst abgrenzen.

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