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Ein Semester.

Erstes Semester – Persönliches

Das erste Semester war unheimlich anstrengend. Nein, ich habe mir das erste Semester unheimlich anstrengend gemacht, in dem ich mich unheimlich angestrengt habe. Viel zu spät wurde mir bewusst, dass das nicht immer der richtige Weg ist um Dinge anzugehen.

Das erste Semester hat mir meine eigenen Grenzen zu spüren gegeben, hat mich oft an mir selbst und meinen Vorstellungen, Plänen und Erwartungen zweifeln lassen und hat mich letztendlich vollkommen verwirrt.

Das erste Semester hat mir dann am Ende noch gezeigt, wie sich Scheitern so anfühlt und mich damit gezwungen über Alternativen, Perspektiven und Erwartungen nachzudenken. Ob sich das Scheitern noch in ein Erfolgserlebnis verwandeln lässt, wird sich erst noch herausstellen.

Liebes Informatik-Bachelor(grund)studium, du bleibst vorerst meine Herausforderung. Auch wenn wir beide wissen, dass du in Wirklichkeit ein ziemlich menschenverachtendes und zermürbendes System bist.

Erstes Semester – Wenig Sexistisches

Das erste Semester hat mich äußerst selten an meinen Exotinnenstatus erinnert. Das Leben als Exotin beschert einem trotzdem in regelmäßigen Abständen immer gleich verlaufende Gespräche. Diese sind aber eigentlich so langweilig, dass man eigentlich gar keine Lust hat, sich noch um Antworten zu bemühen. Die Klassiker:

  • … warum studierst DU eigentlich Informatik?
  • … du siehst ja gar nicht so aus wie man sich eine typische Informatikerin vorstellt!
  • … wie kommt’s, dass du xy (hier als weiblich markiertes Interessengebiet einfügen) magst und Informatik studierst?
  • mhm ja.. du bist ja auch eine Frau, deshalb .. (hier irgendeinen Bullshit einsetzen)

und so weiter und so weiter.

Das erste Semester bescherte mir zum Beispiel folgende Situationen, die ich persönlich dümmlich amüsant bis echt ärgerlich (in genau dieser Reihenfolge) fand:

  • “WOW du warst in der Probeklausur die BESTE FRAU”
  • Getuschel auf dem Flur: “boah guck mal, die studiert Technische Informatik”
  • der Rat eines Bekannten, den Versuch zu starten meine verkackte Klausur durch aufreizende Kleidung im Nachgespräch zu retten (jaja…. sehr lustig, sehr originell und gar nicht beleidigend sexistisch)

Das erste Semester hat mich aber ansonsten vor allem respektvolle Menschen treffen lassen, was ziemlich gut ist, denn mit andern werde ich mich eh nicht freiwillig beschäftigen. Sie könnten höchstens mal hier zitiert werden. ;)

Oh, ihr habt ja auch Frauen.

Heute, fast zwei Monate nachdem mein Informatikstudium so richtig begonnen hat, mag ich mal ein bisschen was darüber schreiben. Wie man an meinem Letzten Artikel schon sehen kann, bin ich sehr sehr vorsichtig geworden und es fällt mir noch schwer konkrete Situationen zu beschreiben.

Smalltalk – Wie man(n)’s besser nicht macht

Er kam also Anfang Oktober, der Moment auf den ich ewig hingearbeitet hatte: der Beginn meines Studiums. Viele neue Menschen sehen, sich vorsichtig beschnuppern, Inhalte erfahren, Organisatorisches, all sowas. Wenn man sich gerade das erste Mal sieht, fällt es oft schwer ein passendes Gesprächsthema zu finden und so kam es, dass jede einzelne Person mit der ich ins Gespräch kam die gleiche Idee hatte was ein scheinbar passendes Thema anging:

“So wenig Frauen hier”…. “Frauen und Informatik, schon komisch”…”Wow, als Frau, das ist aber ungewöhnlich”… blahblah blah blah blah.. und so verging der erste Tag und ich konnte es einfach nicht mehr hören. Ich konnte niemandem einen Vorwurf machen und trotzdem hat mich das so sauer und traurig gemacht, dass mir niemand etwas anderes zu sagen hatte. Irgendwie war das anstrengend, aber kein Grund sich entmutigen zu lassen.

Motivation – wie ma(n)n’s besser nicht macht

Nach dem allgemeinen Blahblah folgte die fachspezifische Einführung, bei der erstmals die Möglichkeit bestand mit Studierenden aus höheren Semestern zu sprechen. Ich hatte Hoffnung und wurde dann ganz schnell ganz enttäuscht. Vermutlich sollten die Vorträge motivieren, hatten aber eher Schwerpunkt darauf, wie schwer gewisse Fächer sein werden und wie viele Menschen so allgemein im Grundstudium scheitern. Als ich dann die Möglichkeit hatte mit einzelnen Personen höherer Semester zu sprechen kamen sehr schnell wieder Sätze wie “Oh, ihr habt ja auch Frauen, wir hatten keine/nur wenige…”. Von einem bekam ich zum Abschied dann noch den persönlichen Hinweis, dass es schon Frauen vor mir gab, die die Hochschule wechseln mussten. Auf die Gründe wollte er jedoch nicht eingehen und wünschte mir nur sowas wie viel Glück und ein dickes Fell. Aha.

So stürzte ich mich also hinein, in den neuen Alltag….

Nerd-Geek-Feminismus

Die Tatsache, dass weibliche Nerds und Geeks existieren ist leider für einige Menschen schon schwer genug zu verkraften. Denn die gängigen Klischees Nerd bzw. Geek schließen die Eigenschaft “weiblich” grundsätzlich erstmal komplett aus. Umso unmöglicher erscheinen daher die Begriffe Nerd- und Geekfeminismus, welche so eigentlich (noch) gar nicht richtig existieren. Im Laufe meiner Beschäftigung mit der Computer-Technik-Gender Thematik wurde mir bewusst, dass feministische Ansätze unglaublich wichtig und hilfreich sind um Probleme innerhalb von geekigen oder nerdigen Kreisen zu thematisieren. Es gibt schon Menschen, die auf diesem Gebiet großartige Arbeit leisten und einige Projekte habe ich bereits in Vergangenheit vorgestellt. Drei neue, wichtige und interessante Projekte sind mir in den letzten Wochen und gestern als erwähnenswert aufgefallen.

1. Das Geek Feminism Wiki

Meine erste Begegnung mit dem Begriff Geekfeminismus. Das englischsprachige Geek Feminism Wiki wurde vor nicht allzu langer Zeit, kurz nach der Gründung meines Blogs, ins Leben gerufen. Einige AutorInnen sammeln dort Beiträge über Frauen in Geekgemeinschaften und damit verbundene Probleme. (Link)

2. Das Geek Feminism Blog

Kurz nach dem Geek Feminism Wiki, wurde das ebenfalls englischsprachige Geek Feminism Blog gegründet. Es handelt sich hierbei um ein Gemeinschaftsblog von (aus anderen Projekten bekannten) Frauen, welche alle in irgendeiner Weise in geekigen Bereichen beschäftigt sind. Alle haben bereits in vergangenheit über geekig-feministische Themen gebloggt und vereinen nun ihre Erfahrungen und Ideen in einem einzigen Blogprojekt. (Link)

3. Der Nrrrdz Podcast

Nachdem ich auf Geekfeminismus Blog und Wiki stieß, wurde mir wie so oft bewusst, dass es im deutschsprachigen Raum sehr viel weniger Projekte mit dieser Themenkombination gibt. Glücklicherweise gibt es aber auch deutschsprachige Geek- bzw. Nerdfeministinnen (außer mir ;) ). Zu diesen gehören Marlen (heiter scheitern) und Kathrin (ihdl), welche gestern einen interessanten Podcast zum Thema Feminismus und Netzkultur gestartet haben. Die erste Folge enthält bereits wichtige und gut beschriebene Themen (Selbst-Wiederkennungsrate bzgl. beschriebener Situationen und Ansichten bei mir SEHR HOCH). (link)

Informatica Feminale

Auch diesen September (7. – 18.) bietet die Universität Bremen ihr jährliches Sommerstudium “Informatica Feminale” für Frauen in der Informatik an. Es richtet sich an Studentinnen, sowie Fachfrauen aus dem Berufsleben und dient der Vernetzung und Weiterbildung.

Da sich das Konzept bewährt hat, wurde es schon vor einigen Jahren von anderen Hochschulen im In- und Ausland übernommen. So findet zum Beispiel beinahe zeitgleich (8.-12. September 2009) die informatica feminale Baden-Württemberg an der Hochschule Furtwangen statt.

Girl Geek Dinner

Am 23. Juli 2009 findet das Girl Geek Dinner in Stuttgart statt. Eigentlich wollte ich längst darüber bloggen und auch teilnehmen, aber Letzteres wurde nun blöderweise durch einen anderen Termin verhindert. :(

Das Girl Geek Dinner bietet technik- und medienaffinen Frauen (und männlichen Begleitern) eine Austauschplattform in Form eines gemeinsamen Abends. Für Interessierte gibt es natürlich alle notwendigen Informationen auf der zugehörigen Website.