Tag archives: women in technology

Hass auf Feminismus

Annalist hat heute über das Massaker an der Polytechnischen Hochschule Montréal gebloggt, welches vor genau 20 Jahren stattfand.

Heute vor 20 Jahren wurden an der École Polytechnique in Montréal, Kanada, 14 Studentinnen erschossen. Der Täter, der sich danach selbst erschoss, gab in seinem Abschiedsbrief an, dass Feministinnen sein Leben ruiniert hätten.

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Barrieren-Serie: Nr 2. Aussehen und Ansehen

In unserer Gesellschaft spielt das Aussehen (leider) eine nicht zu unterschätzende Rolle. Vorallem Frauen verbringen oft sehr viel Zeit damit das eigene Erscheinungsbild zu optimieren, verschönern und im extremsten Fall Schönheitsidealen so nah wie möglich zu kommen. Kein Mensch möchte gerne als hässlich bezeichnet werden, doch während meiner Erfahrung nach Männer eher über solche Kommentare hinwegsehen, werden diese von Frauen oft sehr zu Herzen genommen und können das Ego sehr belasten. Dieser “Schwachpunkt” wird daher oft bewusst und unbewusst genutzt um auszugrenzen, Leistungen schlechtzureden und Personen ganz allgemein in Frage zu stellen.

Sicherlich fragt sich manch eine/r nun, wovon ich überhaupt rede, denn schließlich geht es hier um Frauen in der IT oder Technik. Hierzu möchte ich daher gerne ein Zitat anbringen, welches ich im Laufe der Zeit mehrfach von verschiedenen Männern in Naturwissenschaften und Technik gehört habe:

Klar, in meiner Ausbildung/meinem Studium gab es schon auch Frauen, aber die sahen eben auch nicht so aus wie Frauen!

Darauf folgt meistens ein Lachen und zustimmendes Nicken bei den ZuhörerInnen und eine Übelkeit in der Magengegend bei mir. Die erste Frage die ich mir daraufhin stelle ist: Wie sieht überhaupt eine Frau aus? Doch leider denke ich nicht, dass sich die meisten meiner Mitmenschen sich diese Frage überhaupt je gestellt haben. Denn die Antworten liefern uns Schönheitsideale und Negativbeispiele in Form von Klischees. In diesem Fall ist es das alte Klischee vom “Mannsweib”.

Unabhängig vom eigenen Aussehen muss man sich als Frau diesem Klischee früher oder später in irgendeiner Form stellen, wenn man mit Themen, Beschäftigungen oder Interessen zu tun hat die von der Gesellschaft als “männlich” angesehen werden. Dies reicht von der scherzhaften Bemerkung bis zu übelstem Mobbing.

Wo ist aber die tatsächliche Barriere?
Meine Ansicht nach wird bei der Leistungsbewertung von Frauen viel zu oft und grundlos der Punkt “Aussehen” mit ins Spiel gebracht. Nehmen wir mal an eine Frau ist verantwortlich für eine wichtige Erfindung oder wissenschaftliche Erkenntnis und gerät dadurch in die Öffentlichkeit. Neben Anerkennung und Kritik sind Aussagen wie “naja, aber dafür sieht sie halt scheiße aus” vorprogrammiert, sofern die Person nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Hat mit der Leistung selbst nichts zu tun, dient aber immer wieder super dazu diese schlecht zu reden. Ein Kriterium welches hingegen bei der Beurteilung der Leistun von männlichen Personen absolut keine Rolle spielt.

Man könnte jetzt annehmen, dass solche Vorfälle im Internetbereich durch “Anonymität” einfacher zu handhaben sind. Dummerweise begegnen einem da aber ähnliche Merkwürdigkeiten. Gibt man sich ganz offensichtlich als Frau zu erkennen, wird beispielsweise mit dem Kommentar “this post is useless without pictures” klargemacht, dass man sich als Frau noch lange nicht Frau nennen darf. Außerdem sinkt durch die Scheinanonymität auch die Hemmschwelle und so kommt es auch sehr viel eher zu einem beleidigenden Kommentar zum Aussehen.

Solche Tatsachen halten meiner Meinung nach selbstkritische Frauen davon ab, sich mit gewissen Themengebieten zu beschäftigen und mit sich anderen Personen auszutauschen. Vielleicht hindert es manche auch daran, mit eigenen Ideen in die Öffentlichkeit zu treten.

Nintendo / C64 Handtasche

Passend zum letzten Blogpost, hier mal eine Technikspielerei für Frauen die mir statt Entsetzen ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat. Jeri Ellsworth ist großartig!

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Hannovermesse – Wird Technik weiblich?

Berichte von der Hannovermesse

Selber war ich nicht zu Besuch auf der Hannovermesse, da mir mehrere CeBIT-Besuche in Vergangenheit bewiesen haben, wie zermürbend so ein Tagestrip von meinem Zuhause nach Hannover mit ganztägigem Messebesuch sein kann. Stattdessen habe ich mir aber von einem Bekannten, der dort zwecks Arbeit unterwegs war, berichten lassen was ihn so beeindruckte.

Unter anderem berichtete er mir vom Stand der Firma Wittenstein (mechatronische Produkte/Antriebstechnik), auf welchem sich ausschließlich Vertriebsingenieurinnen zur Kundenberatung tummelten. Mein Bekannter selbst führte das auf den Einfluss der Juniorchefin Dr. Anna-Katharina Wittenstein zurück. Ich staunte nicht schlecht und begann schnell gedanklich abzuwägen zwischen geschicktem Marketing-Gag (Frauen auf Messeständen dienen ja gerne mal der Dekoration) und dem tatsächlichen Anliegen die weibliche Präsenz im Ingenieurberuf zu steigern. Daheim machte ich mich dann auf die Suche nach Informationen. Die Erklärung von Dr. Manfred Wittenstein in diesem Interview zeigt, dass es sich wohl um eine gezielte Mischung aus beidem handelt:

Wir brauchen die verschiedenen Denkweisen von Frauen und Männern. Ich bin zutiefst überzeugt, dass erst das Zusammenspiel von Männern und Frauen in der Technik uns zu neuen Lösungen führen wird.

Grundsätzlich eine sehr löbliche und vorbildliche Überzeugung, wobei ich persönlich sagen muss, dass mich diese strikte “Männer-Frauen-Denkweisen” Kategorisierung ab und zu ein bisschen anätzt. Dennoch ein positives Zeichen.

Mehr Interessantes zum Thema Ingenieurin

Kurze Zeit später machten sich auch andere daran sich mit der Ingenieurin auseinanderzusetzen. So brachte SWR2 eine Sendung mit dem Titel “Die Ingenieurin – das unbekannte Wesen“. Der Link führt direkt zum entsprechenden Podcast in der ARD Mediathek. Empfehlenswert und allemal nützlicher als sexistische Radiowerbung.

Barrieren-Serie: Nr 1. Der Du-Kannsts-Nicht-Faktor

Mit diesem Blogeintrag werde ich eine kleine Serie von Einträgen starten, welche ich den Barrieren widme, welche einem im Laufe der Zeit begegnen, wenn man sich als Frau in ein “frauenuntypisches” Umfeld einer “Männerdomäne” (in meinem Fall der IT-Bereich) begibt. Da ich mit meiner “Karriere” noch ganz am Anfang stehe, sind mir sicherlich noch nicht alle diese Barrieren persönlich begegnet, von einigen jedoch kann auch ich so einige traurige Lieder singen.

Die Idee zu dieser Serie wurde bei mir durch einen Blogeintrag von Paula Schramm entfacht, welcher eine dieser Barrieren sehr treffend beschreibt. Ich habe mich aus diesem Grund entschlossen, den Titel und auch die Aussage für meinen ersten Eintrag dieser Art zu übernehmen.

Paula schrieb:

Wie oft hast du schon gehört „Das kannst du nicht, du bist eine Frau“?

Schon bei diesem Satz saß ich nickend vor dem Bildschirm und konnte mindestens drei Schlüsselerlebnisse in meinem Gedächtnis abrufen, welche sich mir fest in mein Hirn eingebrannt hatten. Dabei geht es nicht um scherzhafte Sprüche von Menschen die “halt lustig” sein wollten, nein es gibt sie wirklich, Menschen die diesen Satz aus voller Überzeugung verwenden, eben weil sie die Aussage für absolut richtig halten. Und wenn mir nun jemand gerne entgegnen will, dass man auf solche Aussagen nichts geben sollte, dann muss ich hinzufügen, dass ich diesen Satz 1:1 auch schon von einem (ehemaligen) Vorgesetzten zu hören bekommen habe. Man kann sich also nicht immer aussuchen, mit welchen Menschen man sich umgibt und diese schlimmstenfalls meiden oder ignorieren. Auch die subtileren Geschwistersätze, die durch andere Formulierung den selben Inhalt vermitteln, begegnen einem tagtäglich in ihren hässlichsten Formen.

“Du-Kannsts-Nicht” als Barriere, als Summand hat einen entscheidenden negativen Einfluss: es schreckt ab, es bewegt Frauen dazu umzukehren und sich oft schon frühzeitig umzuorientieren oder berufliche Wege überhaupt nicht in Betracht zu ziehen. In einigen Diskussionen mit Männern habe ich zu hören bekommen “man darf sich eben von sowas nicht abschrecken lassen”. Es ist deshalb darauf hinzuweisen, dass es niemals eine einzige Aussage ist, welche Entscheidungen beeinflusst. Erst die Summe all der negativen Aussagen, deren Höhe sich einige Männer gar nicht bewusst sein können, führt zu entsprechenden Handlungen und Neigungen was berufliche und private Interessen angeht.

How it works, by xkcd.com
Image from xkcd.com

Da ich jedoch bewusst die Bezeichnung “Du-Kannsts-Nicht-Faktor” von Paula übernommen habe, möchte ich den positiven Effekt, den Faktoreffekt nicht einach unter den Tisch fallen lassen. “Du-Kannsts-Nicht” als Faktor hingegen verhält sich sehr mächtig und motivierend. Hat man bereits ein Ziel vor Augen und genügend Erfolge erzielt, die negative Aussagen in den Schatten stellen, kann eine weitere Aussage dieser Art ein “euch werde ich’s zeigen” Gefühl hervorrufen. Dieses Gefühl hat sich auch auf meine Leistungen oft positiv ausgewirkt und ist in Zeiten der Selbstzweifel oft meine einzige Stütze.

An dieser Stelle möchte ich mich auch (anonymerweise) bei Paula dafür bedanken, dass mir “Du-Kannsts-Nicht” als Faktor erstmals richtig bewusst wurde. Danke!